Wintereis in der Arktis hat noch nie eine so kleine Fläche bedeckt

29. März 2016, 12:45
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Jährliche Maximalausdehnung unterbot sogar den bisherigen Negativrekord vom vergangenen Jahr

Boulder – Beinahe das gesamte letzte Jahr war klimamäßig gekennzeichnet von einer Abfolge von Negativrekorden: Der vergangene Februar war nicht nur der zehnte Monat in Folge, der den jeweiligen Temperaturrekord geknackt hat, er war nach den Daten der US-Klimabehörde NOAA global gesehen auch der durchschnittlich wärmste Monat seit Ende des 19. Jahrhunderts mit der Aufzeichnungen von Klimadaten begonnen wurde. Darüber hinaus übertraf die Temperaturerhöhung der Monate Dezember bis Februar jene jeder anderen Drei-Monats-Periode bei weitem. Experten machen vor allem das Klimaphänomen El Niño dafür verantwortlich.

Kein Wunder also, dass die Arktis unter diesen Bedingungen zuletzt besonder zu leiden hatte: Noch nie seit Beginn der wissenschaftlichen Datensammlung hat das Wintereis rund um den Nordpol eine so kleine Fläche bedeckt wie in diesem Jahr. Damit unterbot die jährliche Maximalausdehnung sogar den bisherigen Negativrekord vom vergangenen Jahr, wie das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum der USA (NSIDC) in Boulder (Colorado) am Montag (Ortszeit) mitteilte.

Verrückter Winter

Am Tag der größten Ausdehnung, dem 24. März, bedeckte das Eis im Nordpolarmeer nur 14,52 Millionen Quadratkilometer. "Ich habe noch nie einen solch warmen, verrückten Winter in der Arktis gesehen", sagte NSIDC-Direktor Mark Serreze. Seit 37 Jahren wird die Eisfläche mit Satelliten vermessen – die 13 kleinsten Höchstwerte stammen aus den vergangenen 13 Jahren.

Der Eisdecke des Arktischen Ozeans wächst im Herbst und Winter und erreicht seine größte Ausdehnung meist Mitte März. Danach schmilzt es bis Mitte September – auch diese Minimalausdehnung erzielte in den vergangenen Jahren mehrere Negativrekorde. Die Lufttemperatur in den meisten Regionen der Arktis lag in Dezember, Jänner und Februar 2 bis 6 Grad Celsius über dem Durchschnitt.

Die Entwicklung dürfte auch entsprechende Folgen für den Rest des Jahres haben, da das Arktis-Eis das Klima der Erde maßgeblich beeinflusst. Insbesondere deshalb, weil es Sonnenlicht und Hitze reflektiert, die ansonsten das Wasser aufnehmen würde. (APA, red, 29.3.2016)

  • Fragmentierte Eisbedeckung der östlichen Beaufortsee im März des vergangenen Jahres. Heuer beurteilen die Forscher die Situation in der Arktis noch weitaus bedenklicher.
    foto: nasa/operation ice bridge

    Fragmentierte Eisbedeckung der östlichen Beaufortsee im März des vergangenen Jahres. Heuer beurteilen die Forscher die Situation in der Arktis noch weitaus bedenklicher.

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