Milliardär und Flohmarktshopper: Ikea-Gründer Kamprad ist 90

Ansichtssache30. März 2016, 08:00
179 Postings

Ingvar Kamprad ist nicht nur für seinen Erfindergeist legendär, sondern auch für seine Sparsamkeit

foto: apa/epa/nilsson

Ingvar Kamprad wird am Mittwoch 90 Jahre alt. Legendär ist neben dem Erfindergeist des Ikea-Gründers vor allem seine Sparsamkeit. Eines der Rezepte für seinen Erfolg, wie er sagt: sparen, sparen, sparen. "Das liegt ein bisschen in der småländischen Natur", sagt er in einer neuen Dokumentation, die der Fernsehsender TV4 kurz vor seinem 90. Geburtstag ausstrahlte. "Wir wissen, was eine Krone wert ist." Mit der Zeitung "Sydsvenskan" sprach er über eine schockierende Erfahrung beim Haareschneiden in den Niederlanden: 22 Euro wurden fällig, was Kamprads selbstgestecktes Friseurbudget überstieg.

1
foto: epa/nyberg

Kamprad im Jahr 1989 vor dem ersten Ikea-Shop in Stockholm. Blau-gelb war damals noch nichts. Kamprad begann seine Karriere der Legende nach als Jugendlicher mit Geschäftssinn. So soll er selbstgefangene Fische an die Nachbarn verkaut haben. Ikea hat er im Jahr 1943 mit nur 17 Jahren gegründet – per Fahrrad lieferte er damals Kugelschreiber und Bilderrahmen zu Niedrigpreisen aus. Laut "Forbes" gehört er heute zu den reichsten Menschen der Welt.

2
foto: ap/abdeljalil bounhar

Möbel kamen – im Ganzen – 1947 ins Ikea-Angebot. 1951 erschien erstmals ein Katalog, ausgeliefert vom Milchmann. Kamprad verlegte sich komplett aufs Geschäft mit Möbeln – dann kam die Idee mit dem zerlegten Tisch. Ein Mitarbeiter hatte vorgeschlagen, die Tischbeine für den Transport abzumontieren, damit das Möbelpaket in ein Auto passt.

3
foto: epa/ikea systems

Kamprad stammt von einem Hof in der Nähe des Städtchens Älmhult in Südschweden. Hierher ist er nach dem Tod seiner Frau zurückgekehrt. In den 1970-Jahren war er in die Schweiz gezogen, um Steuern zu sparen. Dort soll er gern mit seinem alten Volvo zum Supermarkteinkauf gefahren sein, um Treuepunkte zu sammeln. "Steuersünder Kamprad kehrt heim", titelten verschiedene Medien im Jahr 2011. Erstmals seit 1973 hat er im Jahr 2015 in seinem Heimatland Schweden Einkommensteuer bezahlt. 2015 gab er seine Einkünfte im Jahr davor mit 17,7 Millionen schwedischen Kronen (knapp 1,9 Millionen Euro) an, wofür knapp sechs Millionen Kronen Steuern anfielen.

4
foto: epa/bresciani

Ikea ist auch eines derjenigen Unternehmen, die auf der Liste der großen Steueroptimierer stehen. Dafür, dass er alles tut, um Steuern zu sparen, standen Kamprad und seine Firma zuletzt immer wieder in der Kritik. Kamprad hat sein Unternehmen 1982 in eine Stiftung mit Sitz in den Niederlanden umgewandelt. Das Geflecht aus Firmen, aus denen Ikea besteht, ist kaum durchschaubar.

Kamprad auf einem Foto aus dem Jahr 2002.

5
foto: reuters/fredrik sandberg

"Wenn ich mich so anschaue, habe ich nichts an, was ich nicht auf einem Flohmarkt gekauft habe", sagte er in einem Fernsehinterview kurz vor seinem Geburtstag. In alten TV-Ausschnitten, die ihn im Gespräch mit Ikea-Mitarbeitern zeigen, interessiert er sich auffällig oft für den Preis: "Eine schöne Pfanne. Was nehmen wir dafür?" Und sehr viele Schweden haben den Mann irgendwann einmal persönlich erlebt, wenn er in einer Ikea-Filiale wieder einmal nach dem Rechten schaute.

Kamprad 1998, als er ein Buch in Stockholm vorstellte.

6
foto: epa/samuelsson

Im März 1999 mit Sohn Peter, als er die Zepterübergabe an seine Söhne Peter, Jonas und Matthias ankündigte. Alle drei sind mit dem Geschäft verbunden. Ganz das Feld überlassen hat er ihnen aber noch nicht, auch wenn er sich inzwischen aus dem Aufsichtsrat der Firma, die das Ikea-Konzept vermarktet, zurückgezogen hat. Auch der Gesundheit wegen, wie er sagt.

7
foto: reuters/jean-bernard sieber

Über seine Sparfuchsmentalität machen sich die Schweden, aber auch die Nachbarn gerne lustig. Eine norwegische Komödie ("Hier ist Harold") über eine fiktive Entführung des Ikea-Gründers nahm kürzlich auf die Schaufel, dass die Bleistifte bei Ikea aus Spargründen nur halb so lang seien wie gewöhnliche Bleistifte. Dabei konnte der Mann durchaus großzügig sein. 2006 etwa in Lausanne, als er eine Spende an die dortige School of Art verkündete. Dementsprechend erfreut deren Direktor Peter Keller im Hintergrund.

8
foto: epa/bott

Als ans Licht kam, dass er mit den Nationalsozialisten sympathisiert hatte, entschuldigte er sich dafür vor laufender Kamera bei seinen Mitarbeitern und verhinderte so einen größeren Skandal. Seinen 90. Geburtstag feiert die "Ikea-Familie" mit einem "internen Fest". Ob der Firmengründer selbst dabei ist, wird nicht verraten. (Reuters, rebu, 30.3.2016)

9
Share if you care.