Familie von Exil-Journalist aus China festgenommen

29. März 2016, 08:50
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Verhaftung wegen angeblicher Brandstiftung

Peking – Die chinesischen Behörden haben die Festnahme von Angehörigen eines in Deutschland lebenden Dissidenten mit Vorwürfen wegen Brandstiftung gerechtfertigt. Der Vater und zwei jüngere Brüder des Exil-Journalisten Chang Ping würden verdächtigt, bei einer Zeremonie zur Ahnenverehrung durch das Abbrennen von Räucherst.äbchen einen Waldbrand ausgelöst zu haben.

Das teilten die Behörden der Provinz Sichuan am Montag im Kurzbotschaftendienst Sina Weibo mit. Nach Angaben der Polizei wurden 2,6 Hektar Wald zerstört. Die Feuerwehr habe ungefähr eine Stunde gebraucht, um das Feuer zu löschen. Deshalb sei gegen Changs Vater und seine Brüder ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Kritik an Kommunistischer Partei

Nach der Veröffentlichung eines regierungskritischen Briefes im Internet hatten die chinesischen Behörden die Angehörigen mehrerer im Exil lebender Dissidenten festgenommen. Der prominente Journalist Chang erklärte, drei seiner Geschwister seien festgenommen worden, weil er verdächtigt werde, zu den Autoren des anonymen Schreibens zu gehören. In dem Brief wird Präsident Xi Jinping vorgeworfen, das Land in eine Krise gestürzt zu haben.

Seine Angehörigen in China seien "Ermittlungen, Schikanen und Drohungen ausgesetzt" gewesen, nachdem er den Brief in einem Interview und einem Artikel thematisiert habe, schrieb Chang auf der Website chinachange.org. Seinen Angaben zufolge wurden seine Brüder und eine Schwester aufgefordert, auf ihn einzuwirken, nicht länger die Kommunistische Partei zu kritisieren. Andernfalls würden die Behörden "Wege finden, meine Familienmitglieder anzuklagen".

Welle der Repression

In der vergangenen Woche hatte bereits der in New York lebende Dissident Wen Yunchao gesagt, drei seiner Angehörigen seien festgenommen worden. Auch er bestritt, etwas mit dem Brief zu tun zu haben. Außerdem wurden mehrere Mitarbeiter der Nachrichtenseite Wujie festgenommen, die den Brief zeitweilig veröffentlicht hatte. Auch die vorübergehende Festnahme des Journalisten Jia Jia am Pekinger Flughafen soll im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu dem Brief stehen.

In dem Brief wird Präsident Xi vorgeworfen, durch die Zentralisierung der Macht in seinen Händen eine "politische, wirtschaftliche, ideologische und kulturelle Krise" ausgelöst zu haben. Der Staatschef wird aufgefordert, zum Wohle des Landes zurückzutreten.

Öffentliche Kritik an der politischen Führung wird in China nicht geduldet. Die jüngsten Festnahmen sind Teil einer Welle der Repression gegen Kritiker und Aktivisten. Seit dem Amtsantritt Xis im Frühjahr 2013 wird in der Volksrepublik eine steigende Zahl von Festnahmen von Anwälten, Journalisten und Dissidenten registriert. (APA, 29.3.2016)

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