Türkei ein echter Prüfstein für das ÖFB-Team

28. März 2016, 19:46
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Österreich begrüßt im Happel-Stadion die Türkei, um sich für die EM in Frankreich einzuspielen. Teamchef Marcel Koller fordert ein höheres Laufpensum als gegen Albanien

Wien – Zu Ostern hat das kollektive "In-den-Hintern-Kneifen" stattgefunden. Teamchef Marcel Koller hatte es nach dem 2:1 gegen Albanien als Sofortmaßnahme verordnet. Der Schweizer sagte zwar "kneifen", der Österreicher neigt allerdings zum "Zwicken", gemeint ist natürlich dasselbe. Die Testphase für die EM wird im Happel-Stadion fortgesetzt, die Türkei, die Nummer 20 der Weltrangliste, ist zu Gast. Koller: "Ein echter Prüfstein. Die Türken lieben den Fußball und haben sehr gute individuelle Kicker." Als Schlüsselspieler bezeichnet Koller logischerweise Arda Turan vom FC Barcelona: "Er ist die zentrale Figur. Da gilt es, Maßnahmen zu ergreifen, um ihn aus dem Spiel nehmen zu können."

Es sind jene Maßnahmen, die am Samstag in der zweiten Halbzeit gegen Albanien vermisst wurden. Koller bringt sie auf den Punkt: "Wir brauchen mehr Laufbereitschaft in der Defensive. Wenn wir gut stehen und den Gegner nicht zu unserem Tor lassen, kann das nur ein Vorteil sein. Jeder muss Abwehrarbeit verrichten, jeder ist aber auch herzlich eingeladen, sich nach vorne einzuschalten."

Baumgartlinger out

Österreichs Laufstärkster, Julian Baumgartlinger, wird allerdings fehlen, er leidet an Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Baumgartlinger ist das Herz und die Lunge, er frisst die Kilometer, stopft die Löcher. Gegen Albanien hatte er nach der Pause gehörig zu flicken. Das lag auch daran, dass David Alaba seine Rolle im Mittelfeld offensiver ausgelegt hatte. Natürlich auf Geheiß von Koller: "Man muss häppchenweise etwas probieren." In der ersten Halbzeit hat das geklappt, in der zweiten kaum. Der Teamchef kritisierte seinen Superstar nicht direkt, er sagte leicht kryptisch: "Das hat nicht nur mit der Position von Alaba zu tun gehabt, sondern war eine Folge allgemein fehlender Laufbereitschaft. Man muss im Notfall auch zehn Meter mehr gehen."

Da im heimischen Fußball der Überraschungseffekt praktisch abgeschafft ist, wird der Teamchef auf Gewohntes setzen, er schätzt die Verlässlichkeit. Also dürfte die Einsergarnitur beginnen, Stefan Ilsanker ist die Alternative zu Baumgartlinger. Möglicherweise hütet Ramazan Özcan das Tor. Mit dessen türkischen Wurzeln hätte das, so Koller, aber nichts zu tun. "Solche Befindlichkeiten sind völlig unwichtig, da lasse ich mich nicht erweichen." Im Laufe der Partie wird dann munter gewechselt. "Obwohl mich kein Vereinstrainer angerufen und gebeten hat, gewisse Spieler zu schonen."

Auswärtsspiel?

Zlatko Junuzovic hat sich auf eine "enge Angelegenheit" eingestellt: "Sie sind sehr ballsicher, wir müssen gewappnet und aggressiv sein, dagegenhalten. Es gilt, unseren Stil zu zeigen. Aber natürlich müssen wir auch flexibel und variabel sein, 90 Minuten Pressing geht nicht." Der Bremen-Legionär bevorzugt es, den ersten Teil des Albanienspiels zu resümieren. "Der war völlig in Ordnung. Man soll das Match nicht schlecht machen. Wir wissen ja, woran wir arbeiten müssen."

Bis Montag waren 22.000 Tickets abgesetzt, stimmungsmäßig könnte es fast ein Auswärtsspiel werden. Koller sieht darin keinen Nachteil: "Es ist gut, das zu simulieren." Er lehnt es strikt ab, in Rückstand zu geraten. "Ich muss nicht sehen, wie die Mannschaft reagiert. Ich weiß, sie kann es. Wir haben Typen, die richtige Antworten geben können. Ich gehe trotzdem lieber in Führung." Gegen Albanien stand es nach 13 Minuten 2:0. Eine Neuauflage des Blitzstarts wäre optimal. Koller: "Fußball ist kein Wunschkonzert." (Christian Hackl, 28.3.2016)

  • David Alaba wird gegen die Türkei möglicherweise etwas defensiver agieren.
    foto: reuters/bader

    David Alaba wird gegen die Türkei möglicherweise etwas defensiver agieren.

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