Grenzkontrollen bremsen Skifahrer wenig

29. März 2016, 08:00
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Wartezeiten nach Deutschland haben nur punktuell Auswirkungen auf den Tourismus. Das Montafon lebt zu einem Gutteil von Tagesgästen – und lebt gut

Salzburg/Innsbruck/Schruns – "Am Grenzübergang Walserberg beträgt der Zeitverlust Richtung Deutschland 30 Minuten, in Kiefersfelden 45 Minuten." Was der Verkehrsfunk seit Wiedereinführung von Grenzkontrollen im vorigen Herbst mit schöner Regelmäßigkeit meldet, hat bei Touristikern die Alarmglocken anschlagen lassen. Die Branche dürfte aber zumindest bisher mit einem blauen Auge davongekommen sein.

"Dass die Grenzkontrollen nicht positiv zu bewerten sind, ist klar", sagt Leo Bauernberger, Geschäftsführer der Salzburg-Land-Tourismusgesellschaft, im STANDARD-Gespräch. "Die aktuellen Zahlen der Tourismusstatistik lassen aber auf keinen Rückgang der Gästezahlen wegen der Kontrollen an den Grenzen zu Deutschland schließen." Der gesamte bisherige Winter – die aktuellen Zahlen gehen von November bis Februar – weise ein Plus von knapp zwei Prozent im Vergleichszeitraum zu 2015 auf. "Damit liegen wir auf Rekordkurs."

Gäste erkundigen sich

Bei den Tagestouristen und Kurzurlaubern aus dem angrenzenden Bayern registrierten die Touristiker "leichte Auswirkungen", sagt Bauernberger. Einzelne Regionen wie der Pinzgau, wo die Anreise aus Deutschland über das verkehrsgünstige Kleine Deutsche Eck erfolgt, seien überhaupt nicht betroffen. Detaillierte Zahlen bezüglich der Tagestouristen lägen aber erst zum Saisonende vor. Durch ein ausgezeichnetes Grenzmanagement zwischen österreichischen und bayerischen Behörden sei es gelungen, die Wartezeiten bis auf wenige Ausnahmen in einem erträglichen Ausmaß zu halten.

Auch in Tirol halten sich die negativen Auswirkungen in Grenzen. "Hin und wieder erkundigen sich Gäste nach den Wartezeiten, mit denen sie rechnen müssen, aber wir wissen von niemandem, der schlussendlich gar nicht gekommen ist", wird im Tourismusverband Wilder Kaiser betont, einem Urlaubsgebiet nahe dem Grenzübergang zwischen Kufstein und Kiefersfelden. Nur im Dezember verzeichnete die Region weniger Nächtigungen als im Vorjahr. Am Ende der Saison rechne man damit, "mit einer schwarzen Null" aussteigen zu können.

Witterung entscheidend

Bei den Tagestouristen sehe die Situation etwas anders aus: "Wirte erzählen, dass Gäste immer wieder sagen, dass sie nicht mehr so oft kommen wie sonst, weil sie keine Lust haben, bei der Heimreise eine Stunde im Stau zu stehen", sagt Walter Eisenmann, Geschäftsführer der Skiwelt Söll. Er spricht von einem Rückgang der Tagesgäste um zehn bis 15 Prozent.

Was der Grund für das Minus ist, sei letztlich aber schwer zu sagen. Denn natürlich spiele bei der Entscheidung, ob jemand Ski fahren gehe oder nicht, auch die Witterung eine große Rolle.

Taxi zum Flughafen

Bei dem Taxiunternehmen "Four Seasons Travel", das Touristen und Einheimische vom Hotel oder von zu Hause abholt und zum Flughafen München bringt, spricht man von "keinen großen Problemen durch die Grenzkontrollen". Die Kunden würden momentan zwar eine halbe Stunde früher abgeholt als zuvor, den Abflug habe wegen der längeren Wartezeiten aber "noch niemand verpasst".

Null Auswirkungen gibt es in Vorarlberg. Kiefersfelden ist weit weg und der Walserberg für rückreisende Tagestouristen schon gar keine Option. Wer aus München zum Skifahren ins Ländle will, fährt über Lindau und Bregenz. Mit dem Auto sind es zwei Stunden. Die Silvretta-Montafon-Bergbahnen in Schruns, die zum Saisonfinale diesen Samstag bei der Bergstation der Valisera Bahn Andreas Gabalier aufspielen lassen, profitieren davon.

Investitionen in Hotels

"Wir leben von den Tagesgästen, es gibt nur rund 4.000 Hotelbetten im Tal", sagt Peter Marko, Vorstandsdirektor von Vorarlbergs größtem Bergbahnunternehmen. An Spitzentagen tummelten sich 17.000 bis 18.000 Gäste auf den Pisten, da sei man mit Ischgl auf der Tiroler Seite der Gebirgskette gleichauf.

Mehr als 90 Prozent der Gäste stammten aus dem deutschsprachigen Raum. Niederländer und Belgier seien stark im Kommen. "Für die sind wir das nächstgelegene große Skigebiet", sagt Marko. Die Bergbahnen, die sich zu 100 Prozent im Besitz der BTV (Bank für Tirol und Vorarlberg) befinden, wollen neben dem Ausbau der Pistenbeschneiung und zusätzlicher Aufstiegsanlagen auch in Hotels investieren. Das sieht der neue Masterplan vor. Eines, das Sporthotel in Gaschurn mit 180 Betten, gehört schon ihnen. (Katharina Mittelstaedt, Thomas Neuhold, Günther Strobl, 29.3.2016)

  • Manche ärgern sich über die Polizeikontrollen an den Grenzen, vom Skifahren abhalten lassen sich aber die wenigsten.
    foto: apa/hans klaus techt

    Manche ärgern sich über die Polizeikontrollen an den Grenzen, vom Skifahren abhalten lassen sich aber die wenigsten.

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