Der Fall Babler: Die Glaubwürdigkeit ist weg

Kommentar28. März 2016, 18:06
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Traiskirchens Bürgermeister Andreas Babler hat mit seinem Doppelbezug sich und der SPÖ geschadet

Andreas Babler hat Werner Faymann einen riesen großen Gefallen getan: Er hat sich selbst mundtot gemacht. Der Bürgermeister von Traiskirchen und schärfste innerparteiliche Kritiker des SPÖ-Chefs ist den Verlockungen des Geldes erlegen. Als Bürgermeister und im Zweitjob als sein eigener Öffentlichkeitsarbeiter kam Babler zuletzt auf ein Einkommen von 11.300 Euro brutto im Monat. Rechtlich einwandfrei, aber moralisch nicht vertretbar, wie er selbst im Nachhinein erkannt hat.

Babler ist – oder war – der rote Stachel im Fleisch der heimischen Sozialdemokratie, er war die Speerspitze jener, die die Partei erneuern wollten, einer, der gegen die Abkassierer aufgetreten war, der richtig erkannt hatte, was für ein hohes Gut Glaubwürdigkeit in der Politik darstellt – oder darstellen würde. Er hat die Kritik am Establishment oft auf den Punkt gebracht, manchmal hat er die Kritik auch überzogen.

Seine Ausreden klingen – nach Ausreden. Dass er zwei Jahre lang gebraucht hat, um einzusehen, dass der Doppelbezug in seiner Position und mit seinem Anspruch nicht zu rechtfertigen ist, lässt sich nicht schönreden. Die öffentliche Kundmachung der finanziellen Abspeckung ist ein Eingeständnis, immerhin, die Glaubwürdigkeit ist aber dahin. Das betrifft nicht nur Babler persönlich, das betrifft die gesamte SPÖ. Babler ist zum Symptom jenes Problems geworden, das zu bekämpfen er vorgegeben hat. (Michael Völker, 28.3.2016)

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