Bundespräsident: Intensivwahlkampf läuft an

28. März 2016, 12:24
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Wahlkampfauftakte in den Wochen nach Ostern

Wien – Das Kandidatenfeld steht fest, die Stimmzettel sind im Druck – und ab jetzt werden die Wähler richtig intensiv umworben. Denn in vier Wochen, am 24. April, wird das nächste Staatsoberhaupt gewählt. Wer tatsächlich Heinz Fischer in der Hofburg nachfolgt, wird sich angesichts der großen Zahl an Kandidaten – es sind sechs – so gut wie sicher erst am 22. Mai mit der Stichwahl entscheiden.

Ungewöhnlich groß (wie bisher nur einmal, im Jahr 1951) ist nicht nur die Zahl der Kandidaten, sondern auch die Zahl der aussichtsreichen Kandidaten. Die Meinungsforscher sehen fünf Bewerber relativ eng beieinander und wollen sich bisher nicht festlegen, wer fix in die Stichwahl kommt oder Bundespräsident wird.

Konsequenzen nach Verlust von SPÖ und ÖVP

Anders als bei den bisher zwölf Direktwahlen der Zweiten Republik sind die Kandidaten der Traditionsparteien, Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP), nicht die Favoriten – im Gegenteil: Alexander Van der Bellen (Grüne) und Norbert Hofer (FPÖ) liegen in den bisherigen Umfragen meist vorne, auch die parteifreie Irmgard Griss hält sich beharrlich im Kreis der aussichtsreichen Bewerber. Nur Baumeister Richard Lugner kann nicht wirklich hoffen, in die Stichwahl zu kommen.

Im zweiten Wahlgang könnte sich allerdings dann doch noch ein Koalitions-Bewerber durchsetzen. Wenn nicht, wäre das eine Premiere – alle bisher sieben direkt gewählten Präsidenten der Zweiten Republik waren bei ihrer Erstwahl entweder von der SPÖ oder der ÖVP nominiert. Zöge jetzt erstmals ein grüner, blauer oder eine unabhängige Bewerberin in die Hofburg ein, sind parteiinterne Querelen bei Rot und Schwarz garantiert – und eine baldige Neuwahl des Nationalrates nicht auszuschließen.

Hundstorfer: Prominente Parteihilfe

Zunächst aber haben alle noch vier Wochen lang Zeit, die rund 6,4 Mio. Wahlberechtigten von sich zu überzeugen. Seit dem heutigen Ostermontag lachen die Bewerber von Großplakaten – nicht mehr nur Hofer, der sich dem Fairnessabkommen verweigert und schon früher plakatiert hat. Und der Intensivwahlkampf wird eingeläutet.

Den Anfang macht am Donnerstag, 31. März, SPÖ-Kandidat Hundstorfer im Floridsdorfer Veranstaltungszentrum "Colosseum XXI" – mit viel Unterstützung durch prominente Parteifreunde: Bundeskanzler Werner Faymann, Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser und der im Vorjahr bei der Wien-Wahl überraschend erfolgreiche Bürgermeister Michael Häupl haben sich als Redner angesagt.

"Überraschender Live-Act" bei Lugner

In der Steiermark präsentiert die FPÖ am Samstag, 2. April, ihren burgenländischen Kandidaten Hofer. Dies aus thematischen Gründen, denn Parteichef Heinz-Christian Strache und Landesparteichef Mario Kunasek setzen in ihren Reden auf das Flüchtlingsthema – das ja Kunasek vor einem Jahr ein Rekordergebnis bescherte. Wie immer bei den Blauen spielt die John Otti-Band auf. Ihr 60-Jahr-Jubiläum nutzt die FPÖ für ein zweites Großevent am 6. April in Wien.

Den Wissenschafts- und Technologiepark Tech Gate Vienna in der Wiener Donau City hat Van der Bellen als Ort ausgewählt, Termin ist der Montag, 4. April – was genau geschieht, ist noch in Planung. Am selben Tag lädt Richard Lugner – mit Frau Cathy – in sein Einkaufszentrum am Wiener Gürtel. Ab 18 Uhr gibt es Würstel, Freigetränke und einen "überraschenden Live-Act".

Griss unspektakulär

ÖVP-Kandidat Khol zieht zwar ebenso wie die Mitbewerber seit Wochen durchs Land, aber mit dem offiziellen Wahlkampfstart lässt er sich Zeit bis 7. April. Der wird dafür groß: 1.000 Gäste – auch viele internationale – werden im Congress Innsbruck erwartet. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll – dessen Abwinken Khol die Kandidatur verdankt – demonstriert Unterstützung mit einem Empfang im Schloss Grafenegg am 11. April. Ebenso die Parteijugend: Außenminister und JVP-Chef Sebastian Kurz lädt am 13. April zum Clubbing "Hofburg Challenge accepted" in den Wiener Volksgarten

Ohne große Events und insgesamt unspektakulär legt Griss ihren – rein spendenfinanzierten – Wahlkampf an. Auf einen bombastischen Wahlkampfauftakt verzichtet sie laut ihrem Sprecher, auch eine Abschlussveranstaltung ist nicht geplant. Stattdessen setzt Griss auf Betriebsbesuche und "Spaziergänge in der Stadt". Eine Plakatwelle – "Unabhängig. Für Österreich" und "Jetzt oder nie" – hat man sich geleistet, ob sich eine zweite ausgeht weiß man noch nicht. Anfang April soll ein Personenkomitee vorgestellt werden. (APA, 28.3.2016)

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