Politstreit nach Hooligan-Aufmarsch

27. März 2016, 16:29
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450 Hooligans hatten auf dem Börsenplatz demonstriert

Brüssel – Mehrere hundert rechtsextreme Hooligans haben das Gedenken auf dem Brüsseler Börsenplatz gestört. Im Fernsehen waren am Sonntag teilweise vermummte Personen zu sehen, die Hassparolen grölten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga handelte es sich um 450 teils alkoholisierte Personen, die meisten von ihnen junge Männer.

Es kam zu Rangeleien mit der Polizei. Polizisten mit Helmen, Gummiknüppeln, Schutzschilden und Wasserwerfern rückten an und drängten die Hooligans innerhalb kurzer Zeit vom Platz.

Hitlergrüße

Die Unruhestifter skandierten: "Belgische Hooligans. Wir sind hier zu Hause" und "Alle gemeinsam gegen den Islamischen Staat". Medien vor Ort berichteten von ausländerfeindlichen Slogans und vereinzelten Hitlergrüßen.

Der Bürgermeister des Ortes Vilvoorde nördlich von Brüssel Hans Bonte gab nach einem Bericht der Zeitung "La Libre" an, es handele sich um "rechtsextreme Hooligans verschiedener Fußballvereine der ersten Liga". Die Störer kamen nach einem Bericht der Agentur Belga aus Antwerpen im Norden des Landes über Vilvoorde zum Gedenkort.

Bonte erklärte, er habe den Mob bewusst passieren lassen, um "zu viel Frust" zu vermeiden. "In Abstimmung mit der Polizei und dem Sicherheitsdienst Securail haben wir entschieden, sie den Zug nehmen zu lassen." Dies sei unter Aufsicht der Vilvoorder Polizei und in Abstimmung mit den Brüsseler Behörden geschehen.

Trotz der Absage des geplanten Gedenkmarschs "Gegen die Angst" für die Opfer der Terroranschläge hatten sich am Nachmittag mehrere Hundert Menschen an der Börse versammelt. Sie setzten den Hooligans nach Berichten von Reportern des Senders Euronews Slogans wie "Brüssel multikulturell" entgegen.

Politstreit

Der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur zeigte sich entsetzt: "Ich bin schockiert über den Vorfall, festzustellen, dass solche Widerlinge anreisen, um die Bewohner an ihren Gedenkorten zu provozieren." Die Behörden seien am Vortag darüber informiert worden, dass mit "400 Verrückten" zu rechnen sei. Dennoch sei die Anreise nicht verhindert worden, beklagte Mayeur im Fernsehsender RTL und forderte von der belgischen Regierung Konsequenzen. Vor allem Innenminister Jan Jambon warf Mayeur Nachlässigkeit vor.

In den Vorwürfen Mayeurs spiegelt sich die Zerrissenheit Belgiens mit seinem französischsprachigen Süden (Wallonie) und dem Niederländisch sprechenden Norden (Flandern). Der Brüsseler Bürgermeister ist französischsprachiger Sozialist.

Zwar verurteilten die flämischen Christdemokraten, Liberalen, Grünen und Sozialisten die Vorfälle am Börsenplatz in einer Stellungnahme. Der Antwerpener Bürgermeister Bart De Wever verzichtete aber ausdrücklich auf eine Distanzierung. De Wever ist Vorsitzender der flämischen Nationalisten-Partei N-VA von Innenminister Jambon.

Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einer Metrostation hatten Selbstmordattentäter am Dienstag 28 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Börse in der Brüsseler Innenstadt ist in den Tagen danach zum Ort des Gedenkens geworden, an dem Menschen Blumen niederlegen und Kerzen aufstellen. Die Fassade des Gebäudes und der Boden davor sind mit Trauerbotschaften in Kreide bedeckt. (APA, 27.3.2016)

  • 450 Rechtsextremisten marschierten in Brüssel auf.
    foto: reuters/herman

    450 Rechtsextremisten marschierten in Brüssel auf.

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