Hunderte drängen in Idomeni Richtung Grenzzaun

28. März 2016, 10:12
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Gerüchte über Grenzöffnung halten an – Polizei dementiert Informationen via Lautsprecher

Athen/Idomeni – Gerüchte über eine baldige Grenzöffnung nach Mazedonien haben im griechischen Flüchtlingslager Idomeni auch am Sonntag für Aufregung gesorgt. Hunderte Menschen drängen seit den Vormittagsstunden in Richtung des Zaunes und fordern eine Weiterreise nach Westeuropa. "Wir haben gehört, die Grenze geht heute auf", sagte ein aus Syrien stammender Flüchtling im griechischen Rundfunk.

Auf Twitter berichteten Aktivisten vor Ort von teils aufgeheizter Stimmung. Das griechische Staatsfernsehen meldete hingegen, viele Menschen würden weiße Tücher in der Hand halten, um zu symbolisieren, dass sie friedlich unterwegs sind.

Bereits am Vortag hatten Unbekannte Gerüchte unter den Menschen in Idomeni verbreitet, Deutschland werde Tausende Schutzsuchende aus dem Elendslager aufnehmen. Die Polizei informierte mit Lautsprechern auf Arabisch und Farsi, dass die Gerüchte nicht stimmten und die Grenze nicht geöffnet werde, berichteten Augenzeugen.

Äußerungen von Ramelow

Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erklärt, sein Land könnte bei einer "koordinierten Aktion mehrerer Bundesländer" 1.000 bis 2.000 Flüchtlinge aus Idomeni aufnehmen. Voraussetzung sei, dass die deutsche Regierung in Visafragen und bei der Logistik helfe. Ob die Gerüchte in Idomeni auf diese Äußerungen zurückgingen, ist unklar.

Seit der Schließung der sogenannten Balkanroute durch Österreich und die Westbalkanstaaten kommt es in Idomeni immer wieder zu Protesten von dort gestrandeten Flüchtlingen, einzelne befinden sich nach Angaben von Hilfsorganisationen zudem im Hungerstreik.

Aktuell halten sich rund 11.500 Menschen im Lager auf, rund 600 verließen das Gelände am Freitag und Samstag freiwillig, nachdem griechische Behörden ihnen eine Umsiedelung mit Bussen in andere Camps angeboten hatten. Besonders Kinder und Frauen halten die Zustände in Idomeni nicht länger aus, wo sie gezwungen sind, trotz Regen und Kälte in kleinen Zelten oder im Freien zu übernachten.

Um sie als Unterkünfte an Flüchtlinge und Migranten übergeben, haben Anarchisten und Aktivisten aus der linken Szene in den vergangenen Wochen im Athener Stadtzentrum drei Häuser besetzt. Wie das griechische Boulevardblatt "To Proto Thema" am Montag berichtete, handelt es sich um ein Universitätsgebäude und zwei zuvor leerstehende Häuser im Stadtteil Exarchia. Das Viertel gilt in der griechischen Hauptstadt als Hochburg der Autonomen-Bewegung. Man wolle Strukturen schaffen, damit die Flüchtlinge und Migranten sich selbst organisieren und menschenwürdig leben könnten, zitiert das Blatt die Initiatoren der Aktion.

73 Flüchtlinge reisten ein

Von Sonntag auf Montag haben 232 Flüchtlinge und Migranten von der türkischen Küste nach Griechenland übergesetzt. Nach Angaben des Flüchtlingskrisenstabs der griechischen Regierung hat sich der Zustrom damit wieder leicht erhöht; an den beiden Tagen zuvor wurden 73 beziehungsweise 78 Neuankünfte gezählt.

Dennoch ist insgesamt ein starker Rückgang zu verzeichnen: Noch im Februar setzten pro Tag durchschnittlich 2.100 Menschen über. Auf den griechischen Inseln halten sich derzeit nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) knapp 5.000 Flüchtlinge auf. Seit Inkrafttreten des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei am 20. März werden Neuankömmlinge dort in den "Hotspots" festgehalten.

Seit 20. März ist ein Abkommen zwischen der Türkei und der EU in Kraft, das vorsieht, dass alle ab diesem Stichtag in Griechenland ankommenden Flüchtlingen nach einer Einzelfallprüfung in die Türkei zurückgeschickt werden. Vorerst wurden noch keine Schutzsuchenden zurückgeschickt, sondern diese großteils im Lager Moria auf Lesbos festgehalten, bis ihre Asylprüfung abgeschlossen ist. Zu Abschiebungen soll es ab 4. April kommen. Mehrere NGOs sowie das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR hatten zuletzt ihre Zusammenarbeit mit den griechischen Behörden in Moria aus Protest gegen die "Internierung" von Migranten beendet. (APA, red, 27.3.2016)

  • Artikelbild
    foto: reuters / marko djurica
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