"Wir müssen uns in den Hintern kneifen"

27. März 2016, 11:36
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Der Teamchef sah beim 2:1-Sieg über Albanien auch viel Schatten, freut sich aber darüber "die Fehler aufarbeiten zu können"

Marcel Koller hat nach dem 2:1 der ÖFB-Auswahl im Testspiel in Wien gegen Albanien eine zwiespältige Bilanz gezogen. Zwar freute sich Österreichs Fußball-Teamchef am Samstag über einen erfolgreichen Start ins EM-Jahr, allerdings überwog beinahe der Ärger über die vor allem in der zweiten Hälfte zutage getretenen Schwächen seiner Mannschaft.

"In der ersten Hälfte haben wir offensiv ein gutes Spiel gezeigt, hatten viel Ballbesitz und gute Ballstafetten, das hat zu zwei Toren gereicht", analysierte der Schweizer. Doch bereits vor der Pause registrierte Koller Mängel im Abwehrverhalten. "Schon in der ersten Hälfte war in der Defensive nicht alles gut. Wir waren nicht diszipliniert genug, die Räume zuzustellen, aber die Albaner konnten das noch nicht ausnützen."

Dies sollte sich nach dem Seitenwechsel ändern. "Die zweite Hälfte hat mit dem Gegentor schlecht für uns begonnen, das hat dem Gegner Aufwind gegeben. Wir konnten nicht mehr unser Spiel spielen", erklärte Koller. "Wir hätten zum Schluss mehr Ballbesitz und Ruhe gebraucht. Da haben wir zu viele Fehler gemacht."

Kein Rückfall, keine Ausreden

Als Rückfall wollte der 55-Jährige die Darbietung in der zweiten Hälfte dennoch nicht bezeichnen. "Das wäre zu hart. Wir haben in der Defensive nicht viel mehr als das Tor zugelassen. Doch wir haben nicht mehr so gespielt wie vor der Pause." Möglicherweise lag das auch an dem laut Koller "einen oder anderen angeschlagenen Spieler". Der Coach versicherte aber: "Das soll keine Ausrede sein."

Vielmehr sei der Hauptgrund für die Probleme die mangelnde Laufbereitschaft gewesen. "Wir haben uns zu wenig bewegt", kritisierte Koller. "Da müssen wir uns in den Hintern kneifen. Es wird bei der EM nicht gehen, abzuwarten. Wir müssen auch Defensivarbeit machen. Nach vorne geht es eh immer, aber nach hinten ist der Weg zum Erfolg", betonte der Teamchef, dem auch die Entstehung des Gegentores im Magen lag. "Da waren wir nicht präsent. Da heißt es wacher und aufmerksamer sein."

Abstimmunsgprobleme

Als weitere Ursache für den Abwärtstrend in der zweiten Hälfte wertete Koller Abstimmungsprobleme im Zentrum durch die etwas offensivere Rolle von David Alaba sowie die schnelle Führung durch Marc Janko (6.) und Martin Harnik (13.). "Es ist möglich, dass wir uns zu früh gefreut haben. Ein 2:0 zur Pause ist ein schwieriges Ergebnis, weil du denkst, es geht sich eh aus. Aber wenn du das dritte Tor nicht machst, kann es unangenehm werden."

Genau das passierte auch durch den schnellen Anschlusstreffer der Albaner von Ermir Lenjani in der 47. Minute. "Dann ist natürlich immer Gefahr da. Wir hatten Glück, den Sieg über die Runden zu bringen", gab Koller zu.

Der Schweizer konnte dem phasenweise durchwachsenen Auftritt seiner Mannschaft aber auch Positives abgewinnen. "Es ist gut, dass solche Dinge passieren, denn wenn alles rund läuft, hat man eh nichts zu kritisieren", vermutete der Nationaltrainer und ergänzte: "Wir sind eh nicht immer himmelhochjauchzend. In dem Sinne ist es gut, wenn Fehler passieren, die wir aufarbeiten können."

Schöpf und die Türkei

Koller gab seiner Mannschaft bis Sonntagabend frei, um 19.30 Uhr steigt dann das erste Training im Hinblick auf das Türkei-Testspiel am Dienstag (20.30 Uhr/live ORF eins) wieder im Wiener Happel-Stadion. In dieser Partie könnte der gegen Albanien in der 87. Minute eingewechselte Debütant Alessandro Schöpf eventuell mehr Einsatzzeit bekommen.

Für den Schalke-Legionär gab es Sonderlob von Koller. "Er hat das sehr gut gelöst und Ruhe reingebracht", sagte der Schweizer. (APA, 27.3.2016)

  • Koller musste sich Notizen machen.
    foto: reuters/bader

    Koller musste sich Notizen machen.

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