Mehr Sympathie für den Osterhasen als für Jesus

27. März 2016, 08:30
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Mehr Engagement für Schwache, Obdachlose und Flüchtlinge – aber weniger bei der Bekehrung Andersgläubiger: Das wird von der Kirche gewünscht

Linz – Ostern, ein im Kern heidnisches Fest? Nein, das glaubt nur jeder fünfte Befragte, 50 Prozent lehnen diese Interpretation ab. Der Osterhase – ein ursprünglich heidnisches Fruchtbarkeitssymbol, das die Kirche in ein Symbol für Christus umgedeutet hat – wird von 81 Prozent als sympathische Figur gesehen. Die Auferstehung Jesu Christi, Kern des christlichen Osterglaubens, feiert nur jeder zweite Österreicher – und zwar mit abnehmender Tendenz: Für 63 Prozent der Menschen über 50 ist das Osterfest eines der Auferstehung, bei den Befragten unter 29 Jahren feiert nur noch jeder Dritte die Auferstehung.

foto: apa/helmut fohringer
Mehr Sympathie für den Osterhasen als für Jesus...

Und neun Prozent sagen, sie mögen christliche Feste wie Ostern und Weihnachten überhaupt nicht – besonders unter Grün-Wählern ist diese Haltung verbreitet.

Das ist das Ergebnis der in der Vorwoche durchgeführten Osterumfrage für den Standard. Die Haltungen zum Osterfest sind in der kleinen Grafik festgehalten.

Antworten der Kirche

Traditionell fragt das Linzer Market-Institut bei Umfragen zum Thema Kirche auch: "Die Zeiten werden derzeit als allgemein schwierig erlebt. Hat die katholische Kirche für die Menschen in unserer Zeit die richtigen Antworten?" Darauf sagt nur jeder hundertste Befragte, dass das ganz bestimmt zutrifft. In früheren Umfragen, gab es noch bis zu sieben Prozent volle Zustimmung – dieser Wert wurde 2008 und 2012 erreicht, seit 2013 schwankt er aber zwischen ein und zwei Prozent. 15 Prozent sagen "Ja, eher schon" – aber 58 Prozent "Nein, eher weniger" und 24 Prozent "Nein, gar nicht".

Einfluss des Papstes ungewiss

Market-Institutsleiter David Pfarrhofer weist darauf hin, dass die vollständige Ablehnung der kirchlichen Antworten mit 24 Prozent derzeit deutlich niedriger ist als zu Beginn des Jahrzehnts – "ob das mit dem Wechsel von Papst Benedikt zu Papst Franziskus zu tun hat, darüber kann man nur spekulieren, dazu haben wir keine Daten".

Was man aber generell sagen könne: "Der Kirche wird viel Veränderungsbedarf attestiert. Vor drei Jahren noch haben 83 Prozent gesagt, dass sozial Schwache in der Kirche eine Heimat fänden – dieser Wert ist auf 68 Prozent gesunken. Auch dass die Kirche Heimat für Familien oder für Arbeiter ist, wird jetzt weniger gesehen als in früheren Umfragen."

Aufgaben für die Kirche

Dafür werden neue Wünsche an die Kirche herangetragen – dokumentiert auf der großen Grafik. Sich um sozial Benachteiligte und um todkranke Menschen mehr zu kümmern steht ganz oben auf der Wunschliste.

Deutlich geringer geschätzt wird der Erhalt von Kirchenbauten (was vor allem jungen Befragten weniger wichtig erscheint) oder auch die Einrichtung kirchlicher Jugendgruppen.

Ganz weit hinten liegt der Wunsch, die Kirche möge sich um ihre Kernaufgabe, die Verbreitung des Glaubens, mehr kümmern: Nur 19 Prozent sagen, die Kirche solle mehr tun, um den Menschen den Weg zu Gott zu weisen, 49 Prozent sagen, sie tue da genug und 23 Prozent wollen sogar, dass sie weniger auf Gott verweist. Missionstätigkeit bei Menschen anderen Glaubens lehnen sogar 53 Prozent ab. (Conrad Seidl, 26.3.2016)

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