Aufgaben der Kirche: Streiten für das Seelenheil

Kommentar27. März 2016, 08:30
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In den letzten Jahren hat sich die Kirche zu sehr mit sich selbst beschäftigt

Ostereier gibt es in fast jedem Haushalt. Für die Kinder versteckt man sie, das Eiersuchen ist lustig. Aber sie glauben halt nicht mehr an den Osterhasen!, klagen die Eltern. Und die Eltern selbst, was glauben die?

Dass Ostern das Fest der Auferstehung des Herrn Jesus Christus ist, Symbol des ewigen Lebens? Ach wo!

Das kommt allenfalls jedem Zweiten in den Sinn, besagt die aktuelle Osterumfrage des Standard. Aus dieser – und vielen anderen – weiß man, dass es mit dem Glauben in unserem immer noch als christlich geltenden Land nicht weit her ist: Sechs von zehn Österreichern finden es falsch, Kindern Ehrfurcht vor Gott beizubringen. An eine unsterbliche Seele glauben 55 Prozent; dass man durch Gottes Gnade in den Himmel käme, passt überhaupt nur noch in das Weltbild jedes Vierten.

Man kann diese Befunde als Beleg für den Erfolg der Aufklärung sehen, auch als Beweis dafür, dass die Säkularisierung weit fortgeschritten ist und im Leben der Menschen kein Platz für Gott und die Kirche geblieben ist.

Interessanterweise stimmt der letzte Punkt aber auch nicht ganz: So sehr der Glaube an Gott zurückgegangen ist, so groß auch die Zahl der aus der Kirche Ausgetretenen sein mag – für die Kirche werden durchaus Aufgaben gesehen. Viele beten nicht, gehen allenfalls zu der einen oder anderen Hochzeit, vielleicht auch zu einer Totenmesse in ein Gotteshaus; aber die Rolle der Kirche als Friedensstifterin wollen diese Menschen doch nicht missen. 50 Prozent der Österreicher wollen da noch mehr kirchliches Engagement. 38 Prozent erwarten von der katholischen Kirche gleich viel, 23 Prozent sogar mehr moralische Orientierung in Politik und Gesellschaft.

Und in gewisser Weise wird die Kirche ja den Wünschen der Gesellschaft auch gerecht: Ihr Engagement für sozial Benachteiligte, für Todkranke oder auch für Obdachlose wird geschätzt und verstärkt gewünscht – und auch bei der Betreuung von Flüchtlingen weiß man, dass da ohne das Wirken der Kirche bald nichts mehr ginge.

Für die katholischen Würdenträger kann das aber kein befriedigender Befund sein. Bei aller Wertschätzung für die gelebte Nächstenliebe muss man doch einräumen, dass die guten Werke eben nur ein Teil der Verkündigung des Evangeliums sein können. Das Kerngeschäft der Kirche sind sie nicht. Dieses Kerngeschäft besteht vielmehr darin, die Menschen zum ewigen Heil zu führen.

Diese Aufgabe wurde in den letzten Jahren vernachlässigt. Zu sehr hat sich die Kirche mit sich selbst, mit der gewiss wichtigen Aufarbeitung ihrer Skandale beschäftigt. Zu gern hat sie sich ihrer gesellschaftlich anerkannten sozialen Berufung hingegeben. Aber die Erfüllung dieser beiden Aufgaben wird niemanden zurück zum Glauben führen. Das kann nur die mutige Verkündigung des Wortes Gottes bewirken – und zwar durchaus auch im Streit mit jenen religiösen und politischen Kräften, die einen anderen, aus christlicher Sicht falschen Weg zur Seligkeit predigen. (Conrad Seidl, 26.3.2016)

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