Zielpunktpleite: Macht der Supermärkte steigt

28. März 2016, 09:00
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Auf die Qualität der Lebensmittelversorgung hat die Pleite kaum Auswirkungen, so das Wifo. Die Marktkonzentration ist aber kräftig gestiegen

Wien – Die Pleite von Zielpunkt hat auf die Qualität der Lebensmittelversorgung und die Angebotsvielfalt kaum Auswirkungen. Der Zuwachs der Marktkonzentration ist in Österreich jedoch beträchtlich. Diese Bilanz zieht eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts, die dem STANDARD vorliegt.

Zielpunkt hatte mit knapp drei Prozent zwar nur wenig Gewicht im Lebensmittelhandel. Der Effekt auf die Marktmacht der verbliebenen Anbieter ist aus Sicht der Wifo-Experten dennoch groß.

Denn ihre Zahl war schon vor der Insolvenz klein und die damit verbundene Wettbewerbsintensität gering. Ob nun alle Zielpunkt-Standorte aufgelassen oder einzelne vom Mitbewerber weitergeführt werden, sei für die weitere Marktkonzentration nicht relevant. Abgesehen davon, dass sie diese sicher nicht mildere: Dafür hätten mehr Filialen an Händler abgetreten werden müssen, die bisher nur schwach vertreten sind.

Stärkere Konzentration in Skandinavien

Rewe, Spar, Hofer und Lidl besetzen 70 Prozent des österreichischen Lebensmittelhandels. Eine stärkere Marktkonzentration weisen in Europa nur skandinavische Länder und Belgien auf. Die Zahl an Filialen sank in den vergangenen zehn Jahren um knapp 15 Prozent. Der Umsatz nahm zugleich jedoch um fast 30 Prozent zu, errechnete Marktforscher Nielsen.

Sensibles Thema, das die Konsumentenschützer regelmäßig auf den Plan ruft: Lebensmittel sind – Alkohol ausgenommen – hierzulande spürbar teurer als in Italien oder Deutschland. Das Wifo führt dies auf höhere Steuern und Ar-beitskosten zurück. Dazu komme die in Österreich hohe Dichte an kleinen Filialen: Eine Million Einwohner teilen sich 441 Märkte, die Deutschen müssen vergleichsweise mit 337 ihr Auslangen finden.

Einfluss auf die Preise habe zudem der niedrige Anteil an Eigenmarken: 29 Prozent der Lebensmittel laufen hierzulande unter Labels des Handels, 35 Prozent in Deutschland. Für bemerkenswert halten die Forscher aber vor allem die Bereitschaft der Österreicher, mehr zu zahlen, wenn dafür mehr Biologisches, Regionales, Frisches oder unter tiergerechter Haltung Produziertes geboten wird.

"Vollständig versagt"

Dass die vielen Filialen in Hand weniger großer Konzerne sind, besorgt: Derart enge Oligopolmärkte, die auch den Handel mit Drogeriewaren, Sportartikeln und Möbeln prägen, förderten laut Wifo Missbrauch von marktbeherrschenden Stellungen. Österreich habe hier präventiv "vollständig versagt". Es seien wettbewerbspolitische Versäumnisse der Vergangenheit, die eine derartig hohe Marktkonzentration überhaupt erst ermöglichten. Das Kartellgesetz sei zudem zu spät an die EU-Standards angepasst worden. (vk, 28.3.2016)

  • Zielpunkt ist Geschichte beziehungsweise bei den Mitbewerbern gelandet.
    foto: standard/hendrich

    Zielpunkt ist Geschichte beziehungsweise bei den Mitbewerbern gelandet.

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