Gibt es chinesische Terroristen in Europa?

Kolumne25. März 2016, 17:06
532 Postings

Die liberale Demokratie hat Religionsfreiheit zu garantieren, aber nicht die Errichtung mittelalterlicher Enklaven der religiös verbrämten Unfreiheit und der Gewaltsucht

Gibt es eigentlich chinesische Terroristen in Europa? Vietnamesische? Kambodschanische? Koreanische?

Nein, bisher nicht. In Großbritannien leben 500.000 Auslandschinesen, in Frankreich 450.000, in den Niederlanden 144.000. Aus ihren Reihen kommen keine Selbstmordattentäter. Der gemeinsame Nenner des Terrors ist: arabische Herkunft, meist aus Nordafrika, muslimischer Glauben. In Österreich sind 50 Prozent der Jihadis, die nach Syrien zum IS aufgebrochen sind, tschetschenische Muslime, 25 Prozent muslimische Bosnier, der Rest diverse.

Nun können wir es mit einem soziologischen und einem religionssoziologischen Ansatz versuchen; die Millionen Nordafrikaner, die in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, auch in Spanien und Italien leben und aus denen sich die Terroristen und Jihadis rekrutieren, sind ganz überwiegend arm, arbeitslos, leben in trostlosen Plattenbausiedlungen.

Sie rebellieren also gegen ihre Benachteiligung durch die Mehrheitsgesellschaft. Könnte man argumentieren.

Aber, abgesehen davon, ob man dazu unschuldige Menschen zerfetzen muss – was ist mit den anderen Minderheiten? Die asiatischen Zuwanderer (und andere) steigen grosso modo auf, die muslimischen nicht. Den Asiaten helfen dabei ein rigides Leistungsethos und die soziale Kontrolle durch die Familie. Und wer je nähere Blicke in diese Strukturen getan hat, der weiß: Die Frauen reden sehr intensiv mit. Geschäfte und Restaurants werden fast immer von der Mama (mit-)betrieben.

Damit sind wir bei einem, wahrscheinlich dem größten, Defizit der muslimischen Gesellschaften. Die Frauen haben innerfamiliär sehr wohl Einfluss, aber im öffentlichen Leben sind sie ausgesperrt. Sie haben keine Stimme im männlichen Zeitvertreib wie endlosen gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den "Kuffar" (Ungläubigen) und den Angehörigen anderer Clans.

Entscheidend ist die dominante, allumfassende Rolle der Religion. Wer sein Leben allein dadurch bestimmen lässt, wer einen alleinigen Heilsanspruch notfalls mit Gewalt durchsetzen will, der hat keine Energie für sozialen Aufstieg.

Hier ist es Zeit für eine Warnung vor Hochmut: Vor 70, 80 Jahren sind auch wir im scheinbar rationalen Mitteleuropa einem Heilswahn verfallen, der in einen mörderischen Wahn ausartete. Und das war ein echter Massenwahn, im Gegensatz zu dem in den muslimischen Communitys.

Das wird es uns – und den Muslimen unter uns – aber nicht ersparen, ernsthaft die Folgen dieses religionssoziologischen "mindset" zu bekämpfen. Mit Hilfe, aber auch mit Druck. Mit Druck, sich zu bilden, mit Druck etwas Ordentliches zu lernen, mit Druck, die patriarchalischen Denkmuster abzulegen usw. Mit Druck auf die muslimischen Verbände, sich endlich verantwortlich zu fühlen für die "verlorenen Söhne". Die liberale Demokratie hat Religionsfreiheit zu garantieren, aber nicht die Errichtung mittelalterlicher Enklaven der religiös verbrämten Unfreiheit und der Gewaltsucht. (Hans Rauscher, 25.3.2016)

Share if you care.