Antarktische Raubmöwen können zwischen "guten" und "bösen" Menschen unterscheiden

28. März 2016, 15:17
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Obwohl wir für sie ein exotischer Anblick sein müssen, lernen Braune Skuas sehr schnell, individuelle Unterschiede zwischen Menschen zu erkennen

Seoul – Von Rabenvögeln weiß man, dass sie einzelne Menschen voneinander unterscheiden können und dann ganz unterschiedlich auf diese reagieren. Sie können dieses sehr spezifische Wissen sogar an Artgenossen weitergeben, wie Beobachtungen zeigten.

Immer diese Zweibeiner!

Wo es viele Menschen gibt – brave Fütterer ebenso wie solche, die "lästige" Vögel lieber verscheuchen -, ist dieses Differenzierungsvermögen sicher von Vorteil. Man kann es aber offenbar auch dort antreffen, wo die Begegnung mit einem Menschen nicht ganz so alltäglich ist: nämlich in der Antarktis. Das berichten südkoreanische Forscher im Fachmagazin "Animal Cognition".

In dem Fall handelt es sich nicht um Rabenvögel, sondern um Braune Skuas (Stercorarius antarcticus), großgewachsene Seevögel aus der Familie der Raubmöwen. Yeong-Deok Han von der Inha-Universität machte leidvolle Erfahrungen mit Skuas, nachdem er ihre Nester untersucht hatte, um festzuhalten, wie sich die Gelege entwickeln. Die Vögel hatten ihn danach offenbar als Angriffsziel auserkoren, während sie andere Forscher in Ruhe ließen. Es brachte ihm auch nichts, sich durch Kleidungswechsel zu "tarnen".

foto: lee et al
Der Mann rechts im Bild hat es sich mit den Skuas verscherzt.

Daraufhin führten die Forscher eine Reihe von Experimenten durch. Sie ließen Kollegen paarweise in die Nähe einer kleinen Skuakolonie aus sieben Nestern: Jeweils einer, der schon mehrfach Nester untersucht hatte, plus ein "Neutraler", der bislang keinen Kontakt zu den Tieren gehabt hatte. Gingen diese zwei vor den Nestern in entgegengesetzte Richtungen auseinander, verfolgten die aufgebrachten Vögel samt und sonders den bereits bekannten Eindringling, während sie den "Neutralen" in Frieden ließen.

Won Young Lee vom koreanischen Polarforschungsinstitut betont, dass die Vögel über bemerkenswerte kognitive Fähigkeiten verfügen müssen. Sie sind ohne Kontakt zu Menschen aufgewachsen, da ihr Gebiet durch die Forschungsstation erst seit Kurzem von Menschen "besiedelt" ist. Drei bis vier unerwünschte Besuche am Nest reichen offenbar bereits aus, Individuen zu unterscheiden und sich dies auch zu merken. (red, 28. 3. 2016)

  • Skuas sind vielseitige Räuber: Sie gehen selbst jagen und fischen, machen aber auch anderen Räubern die Beute abspenstig – und man hat sie sogar schon dabei beobachtet, wie sie säugenden Seeelefantenmüttern die Milch stahlen.
    foto: yeong-deok han

    Skuas sind vielseitige Räuber: Sie gehen selbst jagen und fischen, machen aber auch anderen Räubern die Beute abspenstig – und man hat sie sogar schon dabei beobachtet, wie sie säugenden Seeelefantenmüttern die Milch stahlen.

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