Wortkunde: Die Pleite

26. März 2016, 09:00
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Kärnten droht die Insolvenz, überall müssen Abstriche gemacht werden

Erst vor kurzem hat Kärnten 20.000 Vögel zum Abschuss freigegeben. Das Federnlassen will man sich gar nicht vorstellen. Fix ist eines: Der Pleitegeier war nicht unter den Opfern. Denn dem Bundesland droht die Pleite. So nennt man salopp den Zustand der Insolvenz. Der bedeutet, man kann seine Schulden nicht bezahlen, trägt zu Lebzeiten schon das letzte Hemd, besitzt nicht die notwendige Liquidität. Da helfen die ganzen Seen nichts.

Aber Kärnten nimmt es tapfer. Wie ein Fels in der Brandung des Rauschelesees stellt es sich der Herausforderung. So viel Ehre und Treue kennt man sonst nur von den Ulrichsbergtreffen, man steht zusammen wie ein Mann.

Schön war in dem Zusammenhang die herzzerreißende Botschaft, die aufrechte Kärntner an der Fassade der Hypo Bank angebracht hatten: "Danke Jörg. Ewig in deiner Schuld", stand da zu lesen. Ein bewegender Gruß an die gute alte Zeit.

Sparmaßnahmen

In der Gegenwart hält die Pleite derweil im Alltag Einzug. Gönnt sich ein Kärntner dieser Tage eine Mütze Schlaf, sagt er, er haut sich in die Schuldenfalle. Psychologen führen neben Familien- nun auch Schuldenaufstellungen im Angebot (oft mit Ermäßigung für Hypochonder).

Mit voller Härte trifft es auch die über die Grenzen des Bundeslandes hinaus berühmte Lebensfreude der Kärntner. Selbst dort müssen sie Abstriche hinnehmen. So soll der Zutritt zur Fête Blanche künftig auch in andersfarbigen Tüchern gestattet sein. Und sogar beim Humor muss gespart werden. Der Villacher Fasching wird nur noch halb so lustig sein wie bisher. Wobei Kritiker meinen, mit der Maßnahme hole man nur Kleingeld ab.

Aber in all dem Ungemach zeichnen sich erste Hoffnungsschimmer ab. Karl-Heinz Grasser hat Hilfe angeboten. Verständlich, kein Mensch hat weniger Schuld als er.

Und auch in der Kärntner Landesregierung ist die Stimmung nicht so schlecht. Sie hat nämlich einen Plan. Sie will die Situation bereden. Bei der zu erwartenden rhetorischen Eloquenz, so hofft man, sind die Schulden bald abgestottert. (Karl Fluch, 26.3.2016)

  • Der Pleitegeier steht in Kärnten nicht auf der Abschussliste.
    foto: epa / stephen morrison

    Der Pleitegeier steht in Kärnten nicht auf der Abschussliste.

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