Julya Rabinowich: Eiertänze ums Goldene Kalb

Kolumne25. März 2016, 15:40
1 Posting

Die Pinzen öffnen ihre dreigeteilten Schnäbel. Die Städter stopfen giftgrüne Graspapierstreifen ins gemachte Nest

Ostern ist endgültig angebrochen wie eine angeknackste Eierschale. Wer jetzt kein Ei versteckt, der findet keines mehr. Wer ohne Hase ist, der wird es lange bleiben. Jene, die zeitgerechte Vorbereitungen noch vor dem Ostersonntag getroffen haben, können nun Luft holen nach vehementem Eierausblasen, den gebackenen Schinken in Brotteig aus dem Ofen nehmen, Kren reiben, auf Schönwetter hoffen und im Garten buddeln.

Die Pinzen öffnen ihre dreigeteilten Schnäbel. Die Städter stopfen giftgrüne Graspapierstreifen ins gemachte Nest. Die voreilig als verantwortungsloses Geschenk eingekauften lebendigen Kaninchen werden hoffentlich nicht im nächsten Tierheim landen. Die Auslagen von Elektrohändlern bersten vor farbtechnisch äußerst fragwürdiger Deko mit irr blickenden Märzhasen. Die Wiederauferstehung wird mittlerweile als Konsumorgie vermarktet, weil der Handel offenbar von Weihnachten nicht den Hals voll bekommen kann. Bescheiden schnöde Eier und fade Schokolade als Gaben? Das war einmal.

Wer sich nicht lumpen lassen will, soll dazu animiert werden, wenigstens ein Handy schlüpfen zu lassen. Besonders Geschäftstüchtige versuchen einem sogar noch Breitformatfernseher anzudrehen. Um die zu verstecken, wird man allerdings einen ganzen Heuhaufen benötigen.

Das Schokolade-Samsara ist gnadenlos: Kaum ist der Ostermontag vorüber, transformieren sich die verbliebenen Schokohasen in Nikoläuse und Krampusse, die ab Herbst in den Regalen lauern werden, bevor sie zu Weihnachtsmännern mutieren. Wiederauferstehung eben. (Julya Rabinowich, 25.3.2016)

Share if you care.