Das neue Fundament

26. März 2016, 12:00
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"Terroristen, eure Rechnung wird nicht aufgehen!" hieß es da auftrumpfend auf schwarzem Grund über die halbe Seite 1

Das mediale Entsetzen über die Attentate in Brüssel war dem Anlass entsprechend, die "Kronen Zeitung" erfand dafür sogar das Wort Rache-Terror, jeder Buchstabe rot unterlegt. Aber richtig hineingesagt haben es den Mördern nur die "Salzburger Nachrichten". Terroristen, eure Rechnung wird nicht aufgehen! hieß es da auftrumpfend auf schwarzem Grund über die halbe Seite 1. Darunter ließ Chefredakteur Manfred Perterer eine Ergießung folgen, die zwischen privatmoralischer Zerknirschung über den Zustand Europas und apokalyptischen Versprechen einer Änderung besagten Zustandes irrlichterte. Europa ist in den vergangenen Jahren schwach und schlapp geworden. Nicht im Geld-Nachjagen und Globalisieren. Da sind wir groß. Sondern im Leben und Hochhalten unserer ideellen Werte. Das muss den Salzburgern durch Mark und Bein gegangen sein. Immer weniger von uns sind bereit, für sie auch einzustehen und notfalls zu kämpfen: Frieden, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte. Wir erachten diese zentralen Werte als selbstverständlich, allerdings nur dort, wo mit der Einziehung von Obergrenzen Rechtsstaat und Menschenrechte nicht gerade ein wenig mit den Füßen getreten werden. Wir nehmen sie gerne in Anspruch – haben es nur weniger gern, wenn andere das auch tun – aber kümmern uns nicht um ihre Pflege, denn da wird es rasch ein wenig mühsam.

Aber damit ist jetzt laut Perterer Schluss! Jetzt heißt es: Auf in den Kampf, geschundenes Europa, unter dem Panier der "Salzburger Nachrichten" kann gar nichts schiefgehen. Natürlich nicht, wie manche radikale Kräfte erhoffen, mit rechter oder linker Ausgrenzungspolitik. Nicht mit Hass auf Zugezogene, vor allem Muslime, der hiermit einzustellen ist. Ebenso natürlich aber auch nicht mit einem Nachtwächterstaat, unter dessen Argusaugen – wer dächte da nicht sofort an die Innenministerin – unser Streben nach Freiheit erstickt. Aber, endlich hüpft die Katze aus dem Sack, mit der notwendigen Härte, die auf dem Boden des Rechtsstaates wächst.

Wie viel an dem Boden der Rechtsstaatlichkeit erwachsende Härte notwendig sein könnte, lässt Perterer offen, er ist lieber Optimist. Aus diesen schwarzen Tagen für Europa kann ein neues europäisches Bewusstsein für das Gemeinsame, das Verbindende hervorgehen. Muss aber nicht, wie nicht bloß die europäischen Innenminister nach jedem Attentat aufs Neue beweisen, wenn sie – von wem eigentlich? – endlich mehr Verbindendes beim Austausch von Informationen fordern. Doch jetzt wird alles anders, denn das neue Fundament heißt Haltung. Das ist mehr als ein seichtes Bekenntnis. Haltung ist fest und wehrhaft. So wie unsere Demokratie, für die ein paar Zeilen vorher immer weniger von uns bereit waren einzustehen und notfalls zu kämpfen.

Wo dieses neue Fundament, mehr als ein seichtes Bekenntnis, stehen soll – nicht nur Ungarn böte sich an –, egal, unsere Demokratie, sie hat ein großes Herz. Aber sie zeigt auch klar die Grenzen auf. Und sie kennt keine Toleranz gegenüber den Intoleranten, außer eventuell im Fall der FPÖ. Europa, ward Perterer zum Sprecher des Kontinents, ist bereit, seine Freiheit entschlossen und solidarisch zu verteidigen. Das aufgeklärte Abendland, so weit existent, knickt nicht ein. Jetzt gut herhören, ihr Terroristen, und wenn ihr noch so feige und hinterhältig mordet: Eure Rechnung wird nicht aufgehen!

Da kann man nur hoffen, dass die feigen und hinterhältigen Mörder aufmerksame Leser der "Salzburger Nachrichten" sind, auf ihren Chefredakteur hören und ihre Attentate auf ein Europa, das in den vergangenen Jahren schwach und schlapp geworden ist, einstellen, weil doch Europa ab sofort bereit ist, seine Freiheit entschlossen und solidarisch zu verteidigen.

Die "Krone" vom selben Mittwoch wusste nichts von einem neuen Fundament, dafür umso mehr davon, dass FPÖ-Chef Strache wieder einmal leider recht behalten hat. Bestätigen ließ sie sich das von einem Zeugen, den sie der "Presse" vom Sonntag entnahm. Dort meinte der Unternehmer Martin Schlaff, die FPÖ und Strache bleiben nicht in der Schmuddelecke, von wo sie herauszuholen ein altes Anliegen der "Krone" ist. Noch ist die FPÖ drin, doch um den Wert dieser Andeutung einer bloßen Möglichkeit dem Leser klarzumachen, befleißigte man sich besonderer Präzision beim Namen des Zeugen: Martin Schlomo Mordechai Joschua Schlaff. Mehr lässt sich für Strache nicht tun. (Günter Traxler, 25.3.2016)

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    foto: fid
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