Illegale Deponien bei Vorarlberger Recyclingunternehmen

25. März 2016, 18:01
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Die Vorarlberger Firma Häusle soll Kunststoffabfälle auf ihrem Gelände vergraben haben. Landeshauptmann Wallner spricht von Vertrauensverlust

Lustenau – Auf dem Gelände des Vorarlberger Recyclingunternehmens Häusle wurden vermutlich seit 2009 illegal Kunststoffabfälle vergraben. Schlamperei oder Betriebsunfall könne man ausschließen, sagt der Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft im Amt der Landesregierung, Harald Dreher. "Hier handelt es sich um eine systematische Vorgangsweise mit hoher krimineller Energie begangen."

Auch Thomas Habermann, Geschäftsführer von Häusle, spricht Klartext: "Hier wurden über Jahre systematisch illegale Handlungen gesetzt." Habermann, seit Dezember 2015 Firmenchef, habe Anfang des Jahres einen Hinweis bekommen, Grabungsarbeiten angeordnet und Selbstanzeige erstattet. Mittlerweile habe man fünf illegale Deponien gefunden. Man müsse davon ausgehen, dass mehrere Tausend Tonnen Kunststoffabfälle auf dem Gelände vergraben wurden.

Die Absicht dahinter: Das Unternehmen (Jahresumsatz 75,7 Millionen Euro) wollte sich Entsorgungskosten und Abgaben sparen. Denn Kunststoffabfälle müssten kosten- und abgabepflichtig in die Müllverbrennung in die Schweiz gebracht werden. Gerechnet dürften sich die illegalen Deponien nicht haben. Habermann schätzt die kommenden Strafzahlungen und Folgekosten auf mindestens eine Million Euro. Die Verantwortung der früheren Geschäftsführer, die als Gesellschafter 26,4 Prozent der Firmenanteile halten, wird nun geprüft.

Plastik in der Biogasanlage

Die Kunststoffabfälle sollen aus der Biomüllverarbeitung stammen. 100 Prozent des Biomülls, das sind jährlich rund 18.000 Tonnen, landen bei Häusle und werden dort in der Biogasanlage verarbeitet. Da die meisten Privathaushalte den Biomüll in Plastiksäcken sammeln, muss der Kunststoff in der Betriebsanlage abgeschieden werden. Diese Siebreste müssten in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt werden.

Biomüll in Plastiksäcken zu sammeln, sei Wunsch der Gemeinden und des Umweltverbandes, sagt Harald Dreher und wünscht sich wie Geschäftsführer Habermann, der gerne "einen sauberen geschlossenen Kreislauf" hätte, eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Sammelmethode. Kunststoff in der Biogasanlage sei kontraproduktiv.

Landeshauptmann Markus Wallner (VP) und der ressortzuständige Umweltlandesrat Johannes Rauch (Grüne) bedauerten in einer gemeinsamen Aussendung am Freitag den Imageschaden. Das Vertrauen in die Abfallwirtschaft des Landes sei schwer erschüttert worden. Die Politiker versprechen lückenlose Aufklärung, das sei man der Bevölkerung schuldig, die Vorarlberg zum Vorreiter in Sachen Abfalltrennung und Rohstoffrecycling gemacht habe.

Kommenden Dienstag wird die Landesregierung über weitere Schritte beraten. Neben den Landesbehörden ermittelt auch die Staatsanwaltschaft. (Jutta Berger, 26.3.2016)

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