UNHCR: Räumung von Lager in Idomeni begonnen

25. März 2016, 15:03
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Busse sollen vorerst 800 bis 1.000 Personen auf freiwilliger Basis in andere Camps bringen

Idomeni/Athen/Ankara – Die griechischen Behörden haben offenbar mit der Räumung des Flüchtlingslagers Idomeni an der Grenze zu Mazedonien begonnen. Am Freitag seien Busse eingetroffen, die 800 bis 1.000 Menschen in drei verschiedene Camps im Landesinneren bringen sollten, sagte UNHCR-Sprecher Babar Baloch gegenüber der APA.

Der Transport erfolge freiwillig und sei vorerst nur für Menschen gedacht, die vor dem 25. Februar auf den griechischen Inseln erstregistriert worden seien. Er könne daher nicht sagen, ob und wie viele Flüchtlinge das Angebot annehmen würden, so der UNHCR-Sprecher.

Angesichts der katastrophalen Zustände in Idomeni sowie der alltäglichen Hungerstreiks und Protestaktionen gegen die "grässlichen Lebensumstände" sei der Schritt aus UNHCR-Sicht jedenfalls "begrüßenswert", so Baloch. "Die Menschen haben ein Recht auf ordentliche Unterkünfte."

"Volle Bewegungsfreiheit" in neuen Camps

Die griechischen Behörden hätten zudem versichert, dass die Flüchtlinge in den neuen Camps "volle Bewegungsfreiheit" hätten, betonte der UNHCR-Sprecher. Das Uno-Flüchtlingshochkommissariat hatte sich so wie zahlreiche andere NGOs zuletzt geweigert, an der Betreuung von Schutzsuchenden im Erstaufnahmelager Moria auf Lesbos mitzuwirken. Flüchtlinge würden dort bis zum Abschluss ihres Asylverfahrens "interniert", so die Organisation.

"Das Wichtigste ist nun, dass die Menschen ordentlich informiert werden", erklärte Baloch. Die griechischen Behörden wollten die Flüchtlinge aus Idomeni "schrittweise" und nach Ankunftsdatum gestaffelt in neue Lager bringen. "Das wird einige Zeit dauern", so der UNHCR-Sprecher.

Weniger Flüchtlinge nach Griechenland

Gleichzeitig hat der Zustrom von Migranten und Flüchtlingen aus der Türkei nach Griechenland deutlich abgenommen. Binnen 24 Stunden hätten nur 161 Menschen von der türkischen Küste aus zu den griechischen Ostägäis-Inseln übergesetzt, sagte der Sprecher des griechischen Flüchtlingskrisenstabs, Giorgos Kyritsis, am Freitag im Fernsehen.

"Wir beobachten die Entwicklung weiter", sagte Kyritsis. Am Donnerstag war erstmals seit Monaten – offenbar wegen Sturms – kein einziger Flüchtling auf den griechischen Inseln angekommen.

Zu den Protesten humanitärer Organisationen gegen eine Internierung von Flüchtlingen in Aufnahmelagern auf den Ägäis-Inseln sagte Kyritsis, die Menschen würden nicht dauerhaft festgehalten. Es müsse aber kontrolliert werden, wer einen Anspruch auf Asyl habe und wer nicht. Dies habe nicht nur Griechenland, sondern auch die EU mit der Türkei im Flüchtlingspakt vereinbart. Deshalb müssten die Menschen so lange in den Lagern bleiben, bis ihr Asylantrag im von der EU verordneten Schnellverfahren beendet sei.

Wenig Personal aus EU-Staaten

Nach Informationen aus Regierungskreisen in Athen waren bis zum Freitag erst sehr wenige der rund 2.300 versprochenen Asyl- und Sicherheitsexperten sowie Übersetzer aus anderen EU-Staaten in Griechenland eingetroffen. Eigentlich soll ab 4. April die Rückführung von nicht asylberechtigten Migranten aus Griechenland in die Türkei beginnen. "Weder ist das Personal da, noch liegen die Mittel und die nötigen Befehle vor, wie, wann und womit diese Menschen zurück in die Türkei gebracht werden sollen", sagte ein Offizier der griechischen Küstenwache.

Am Vortag hatte Kyritsis klargestellt, dass es die griechische Regierung nicht für notwendig erachte, die Türkei per Gesetz zum sicheren Drittland zu erklären.

Bulgarien erwägt Zaun

Bulgarien will sich nach Schließung der Balkanroute gegen eine Zuwanderung von Migranten aus Griechenland wappnen. "Wir sind vorbereitet, bei Bedarf einen Grenzzaun zu errichten", sagte Regierungschef Bojko Borissow am Freitag im Parlament.

Der Andrang an der Grenze zur Türkei sei "zurzeit gering", fügte Borissow hinzu. Bulgarien konzentriere deshalb seine Bemühungen auf den Schutz der Grenze zu Griechenland. "Die ist sehr lang, nicht geschützt, und die griechische Regierung ergreift seit Monaten keine Maßnahmen", beschrieb Borissow die Lage an der 527 Kilometer langen Grenze.

Bulgariens Armee hatte an der griechischen Grenze zusammen mit dem Grenzschutz und der Polizei bereits Einsätze im Fall einer massiven Zuwanderungsbewegung geübt. Bereits jetzt sind im Grenzgebiet 400 Soldaten stationiert, weitere 500 Mann könnten schnell dorthin verlegt werden.

Bulgarien hat eine 270 Kilometer lange grüne Grenze zur Türkei. An kritischen Stellen dieser EU-Außengrenze gibt es seit 2014 einen Drahtzaun – 2016 soll er auf 160 Kilometer verlängert werden. (APA, 25.3.2016)

  • Ein Flüchtling im Camp von Moria, wo hunderte Menschen nach einer Demonstration gegen den Türkei-Deal festgehalten werden.
    foto: apa/afp/fabio bucciarelli

    Ein Flüchtling im Camp von Moria, wo hunderte Menschen nach einer Demonstration gegen den Türkei-Deal festgehalten werden.

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