"Call of Duty": Wie Videospiele Feindbilder gegenüber Moslems verstärken

27. März 2016, 11:00
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Der Islam hat ein Image-Problem. Dabei spielen auch Vorurteile eine Rolle, die in Videospielen verstärkt werden

Auf der diesjährigen Game Developers Conference (GDC) in San Francisco fand unter zahlreichen Veranstaltungen und Präsentationen auch eine Diskussionsrunde zur Rolle und Darstellung von Moslems in Videospielen statt und wie diese sich auf Gesellschaft und Politik auswirken. Dabei stand die optische Realisierung der islamischen Welt und muslimischer Personen in bekannten Games im Fokus, wie Engadget berichtet.

"Wir sind alle so verschieden"

"Wir werden oft auf vier oder fünf Stereotypen reduziert", meinte etwa Dr. Romana Ramzan, Game Design-Dozentin an der Kaledonischen Universität Glasgow. Dies betreffe vor allem die Kleidung. Männer würden immer einen Bart haben und nationale Trachten tragen, Frauen durch Hidschāb-Kleidung gekennzeichnet werden.

Das Problem sei, dass alles in einen Topf geworfen wird. Moslems ließen sich nicht als eine gewisse Art Person mit einem einheitlichen Kleidungsstil darstellen. Immerhin gehören 1,6 Milliarden Menschen auf der Welt zum Islam, die verschiedenste Nationalitäten und Sprachen haben, so Ramzan.

In Marokko sehe man neben verschleierten Frauen auch Frauen mit Minirock oder rückenfreier Kleidung, führt Ramzan als Beispiel an. "Warum müssen wir durch unseren Glauben repräsentiert werden? Wieso nicht etwa durch unsere Nationalität? Wir sind alle so verschieden."

Arabische Welt wird oft mit Islam gleichgesetzt

Die Diskutanten kritisieren außerdem, dass Moslems oft durch ein aggressives und gewalttätiges Verhalten charakterisiert werden, oftmals sogar durch eine AK-47 in der Hand. Aber nicht nur die objektive Auseinandersetzung mit der Darstellung muslimischer Personen weist oft Defizite auch, auch die islamische Welt wird oft unreflektiert realisiert und mit der arabischen gleichgesetzt.

In "Call of Duty: Modern Warfare 2" sind in der Stadt Karachi etwa arabische Schriftzüge zu sehen, obwohl in Pakistan Englisch oder Urdu gesprochen wird. Farah Khalaf, eine palästinisch-irakische Spiele-Entwicklerin wünscht sich etwa, dass Städte des Mittleren Ostens so dargestellt werden, wie sie wirklich sind und nicht als sandige Wüsten-Orte.

Auch positive Beispiele

Imad Khan, Journalist und Moderator der Diskussion, erwähnte "Assassin's Creed" als positives Beispiel, da hier sehr viel Wert auf Recherche gelegt und etwa Istanbul als schimmernde Stadt mit vielen historischen Persönlichkeiten realisiert wurde. Einen kleinen Schnitzer habe man sich aber dennoch erlaubt, da der Vater von Altair denselben Nachnamen führte, was normalerweise nicht üblich ist.

Ein anderes Positivbeispiel stelle Faridah Malik in "Deus Ex: Human Revolution" dar, die als amerikanische Helikopter-Pilotin tätig ist. Auch wenn es hier kritisch gesehen werden könnte, dass sie erst durch die Westernisierung als "gute" Muslimin angesehen wird.

Gefährliche Verstärkung von Vorurteilen

Problematisch seien diese wenig reflektierten Darstellungen und klischeehaften Realisierungen der islamischen Welt oder muslimischer Personen, da sie die verwendeten Vorurteile nur verstärken und oft auch ein Feindbild propagieren.

Gerade zur heutigen Zeit, in der der Islam ohnehin ein Imageproblem hat, sei es nicht förderlich, dieses einseitige Bild auszubauen, sind sich die Redner einig. Sie fordern mehr Diversität, denn nur dann könne man interessante Geschichten erzählen. Die Industrie müsse mit mehr Sorgfalt bei der Entwicklung agieren und Experten für die jeweilige Kultur, das Land oder die Sprache miteinbeziehen.

Imad Khan setzt hierbei vor allem in kommende Spiele Hoffnung, wie "The Sun Also Rises", "Dujanah" oder "Saudi Girls Revolution", die eine andere Seite der islamischen Welt aufzeigen. (red, 27.3.2016)

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    foto: activision
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