Im Trail-Dorado der Toskana

Kolumne29. März 2016, 11:54
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Der "Maremma Cup" ist ein Highlight im italienischen Fahrrad-Kalender. Inzwischen sehen das auch die Leute aus der Gegend so.

Marcello Giundini umarmt Ernesto Hutmacher. "Heute verstehen wir dich." Hutmacher strahlt: Lob von Leuten, die früher "Spinner" sagten, tut doppelt gut. Als Spinner galt der Ex-Auto-Rennfahrer, als er vor 30 Jahren nach Massa Marittima zog. In dieses malerische, mittelalterliche Bergstädtchen in der Maremma in der Südtoskana. Giundini ist hier Bürgermeister. Hutmacher wurde Hotelier. Als er das verfallene Anwesen "Massa Vecchia" kaufte, tippte man sich an die Stirn: Hier zog man weg, nicht her.

Wilde Kerle

Heute ist Hutmachers Bike-Hotel eine Institution. Die Hauptklientel sind Mountainbiker. Keine Wald- und Wiesenradler: "Wilde Kerle." Enduro- und Trail-Freaks im "Raubritter"-Look. Hundertschaften bolzen in Rüstungen vor der Stadt über Stock und Stein. Und in der Stadt über Piazze und die Domtreppen.

Alle Unterkünfte der Region sind lange ausgebucht, wenn Hutmachers "Maremma Cup" – heuer: "Super Enduro" – stattfindet: Bike-Hersteller bringen Presseleute aus der ganzen Welt mit. Die Gegend ist Marke: "Kult" lautet das Präfix in Szenemedien. Das wirkt.

Verbote in Österreich

Auch, weil die Infrastruktur passt: 500 Kilometer markierter Trails findet man in der Maremma-Spezialkarte der "Supertrail Map"-Serie von Jürg Buschor: "Gibt es Karten, kommen Biker", erklärt Buschor, "und die brauchen Hotels, Ersatzteile, Guides. Heute sehen das sogar Schweizer Kurorte. Österreich wäre ein Trail-Dorado. Aber es mauert sich hinter Verboten ein."

Marcello Giundini umarmt Ernesto Hutmacher: "Heute verstehen wir dich. Danke." (Thomas Rottenberg, 29.3.2016)

Mehr über das Trail-Dorado gibt es auf derRottenberg.com.

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    foto: thomas rottenberg
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