Nach Anschlägen: Verhaftungswelle in Brüssel in Zusammenhang mit Anschlägen

25. März 2016, 13:40
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Zunächst keine Angaben zu Identität der Festgenommenen – US-Außenminister Kerry reist nach Brüssel

Brüssel – Drei Tage nach den Brüsseler Anschlägen hat die Polizei insgesamt sieben Personen festgenommen. Die vorerst letzte Festnahmen geschah Freitagfrüh bei einer Razzia in der Gemeinde Forest, einem Vorort von Brüssel, berichtet der Radiosender RTBF. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

In Forest war der 35-jährige Algerier Mohamed Belkaid in der vergangenen Woche bei einer Polizeiaktion erschossen worden. Von Forest aus waren die Polizisten auch auf die Spur des inzwischen inhaftierten Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gekommen – er soll an den Pariser Anschlägen vom vergangenen November beteiligt gewesen sein.

Ermittler hatten bereits in der Nacht zum Freitag bei Razzien in Brüssel sechs Verdächtige festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft soll im Laufe des Freitags entschieden werden, ob gegen die Verdächtigen Haftbefehl erlassen wird. Über die Identität der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt.

Berichte über weitere Festnahme – keine Bestätigung

Die belgische Polizei hat einem Zeitungsbericht zufolge den mutmaßlichen zweiten Attentäter des Anschlags auf die Brüsseler Metro festgenommen. Ein Polizist habe den Mann, der auf Überwachungskameras zu sehen sein soll, wiedererkannt, berichtete die Zeitung "De Standaard" am Freitag. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Festnahme nicht.

Kerry am Freitag in Brüssel

US-Außenminister John Kerry ist am Freitag zu Gesprächen über den Anti-Terror-Kampf in der belgischen Hauptstadt eingetroffen. Er führte am Freitagvormittag zunächst Unterredungen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Für später waren Treffen mit dem belgischen Premier Charles Michel und König Philippe sowie eine Kranzniederlegung am Flughafen geplant.

Nach Angaben aus Washington wollte Kerry bei den Gesprächen unter anderem US-amerikanische Unterstützung bei der Aufklärung der Anschläge zusichern. Unter den Verletzten sind nach jüngsten Angaben auch rund ein Dutzend US-Bürger. Ob es auch US-amerikanische Todesopfer gibt, war bis zuletzt unklar.

Belgien erwägt stärkere Beteiligung im Kampf gegen IS

Belgiens Premierminister Michel zieht eine zusätzliche Unterstützung der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Erwägung. Es werde entsprechende Gespräche in der Regierung und im Parlament geben, sagte er am Freitag bei einer Pressekonferenz mit US-Außenminister John Kerry in Brüssel.

Nach bisherigen Absprachen wird Belgien im Sommer wieder F-16-Kampfjets für Angriffe gegen den IS im Irak zur Verfügung stellen. Zuletzt waren belgische Flugzeuge von Oktober 2014 bis Juli 2015 für die US-geführte Anti-IS-Koalition im Einsatz. Nach Militärangaben flogen sie dabei 163 Angriffe gegen Stellungen der Terrormiliz im Irak. Derzeit übernehmen die Niederlande diese Aufgabe.

Bakraoui-Brüder waren US-Behörden bekannt

Die beiden Brüder, die die Selbstmordanschläge verübt haben, waren offenbar auch den US-Behörden als islamistische Gefährder bekannt. Khalid und Ibrahim El Bakraoui seien in einer Datenbank mit Extremisten geführt worden, verlautete am Donnerstag aus US-Regierungskreisen.

Die Türkei hatte Belgien vorgeworfen, Warnungen vor einem der Attentäter in den Wind geschlagen zu haben. Die Türkei habe Ibrahim El Bakraoui im vergangenen Jahr abgeschoben und die belgischen Behörden gewarnt, dass es sich bei ihm um einen Jihadisten handle, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

Kritik an Behörden

Bei den Anschlägen waren am Dienstag auch rund 300 weitere Menschen verletzt worden. Drei der Attentäter, die sich am Flughafen und in einer U-Bahn-Station in die Luft gesprengt hatten, sind mittlerweile identifiziert. Nach mindestens zwei weiteren Tätern, die auf Überwachungskameras zu sehen waren, wurde noch gefahndet.

Die belgischen Sicherheitsbehörden stehen schon seit den Pariser Anschlägen vom November massiv in der Kritik, weil diese in Belgien vorbereitet wurden. Mehrere belgische Medien spekulierten, dass das Land einer noch größeren Katastrophe entgangen sein könnte. Möglicherweise seien Anschläge nach Pariser Vorbild geplant gewesen, wo im November 130 Menschen getötet wurden. In Paris hatten mehrere Attentäter auch mit Schusswaffen auf Restaurant- und Café-Gäste geschossen. (APA, 25.3.2016)

  • Der Eingang der Mealbeek Metrostation in Brüssel drei Tage nach den Anschlägen.
    foto: afp photo / philippe huguen

    Der Eingang der Mealbeek Metrostation in Brüssel drei Tage nach den Anschlägen.

  • Bei dem Anschlag in Brüssel (im Bild der Flughafen) kamen mehr als 30 Menschen ums Leben.
    reuters/vidal

    Bei dem Anschlag in Brüssel (im Bild der Flughafen) kamen mehr als 30 Menschen ums Leben.

  • Polizeieinsatz im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek.
    foto: afp photo / belga / nicolas maeterlinck

    Polizeieinsatz im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek.

  • Insgesamt wurden in der Nacht zum Freitag sechs Personen festgenommen.
    foto: reuters/christian hartmann

    Insgesamt wurden in der Nacht zum Freitag sechs Personen festgenommen.

  • US-Außenminister John Kerry landet bei Nieselregen in Brüssel.
    foto: afp photo / pool / andrew harnik

    US-Außenminister John Kerry landet bei Nieselregen in Brüssel.

  • Der US-Außenminister zu Besuch beim belgischen Premier Charles Michel.
    foto: apa/afp/belga/laurie dieffembacq

    Der US-Außenminister zu Besuch beim belgischen Premier Charles Michel.

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