Die Dankbarkeit des Familienmenschen Marko Arnautovic

24. März 2016, 18:05
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Warum Österreichs Kultkicker endlich alles im Griff hat

Stegersbach – Marko Arnautovic sucht nicht nach Erklärungen. Der 26-Jährige stellt nur fest, "dass der Ball ins Tor geht". Für Stoke City hat er in dieser Saison schon zehnmal gescort. Warum diese plötzliche Treffsicherheit in der Premier League? "Keine Ahnung, der Ball geht eben ins Tor. Ich komme öfter in den Strafraum, bin dabei, laufe viel, gebe alles." Mal trifft er mit der Brust, mal mit dem Knie, im Normalfall sind seine von Erfolg gekrönten Abschlüsse aber durchaus spektakulär. "Zum Teil sind sie überragend."

Der Mann ist nicht zuletzt aufgrund seiner konstant starken Leistungen Kult geworden, aus der österreichischen Nationalmannschaft kaum mehr wegzudenken. Der Bad Boy mutierte zum Bussibären, er akzeptiert sogar Verkehrskontrollen, kauft nicht mehr die Leben von amtshandelnden Polizisten. Irgendwann wird er es noch zum idealen Schwiegersohn schaffen, was allerdings nur mehr theoretisch möglich ist. Arnautovic ist vergeben im Sinne von verheiratet mit Sarah und Vater von zwei Töchtern. "Seither habe ich mich unter Kontrolle."

Emilia ist dreieinhalb Jahre alt, Alicia acht Monate, Emilia beginnt am Fußballerleben aktiv teilzuhaben, sie drängt auf Stadionbesuche. In absehbarer Zeit werde sie, so Arnautovic, Zeitungen lesen, im Internet surfen. "Sie soll nichts Negatives über meine Vergangenheit finden. Ich trage Verantwortung, möchte Vorbild sein, den Kindern den Weg weisen."

Es gibt so nebenbei auch ein zweites Familienleben, jenes im Nationalteam, das momentan in Stegersbach stattfindet. Teamchef Marcel Koller ist der fürsorgliche Vater. "Er redet mit uns, hilft, schiebt keinen ab, stellt Regeln auf. Wir Kinder harmonieren gut. Die, die gerade in Topform sind, ziehen die Schwächeren mit, machen sie stark." Arnautovic ist quasi der Erstgeborene, er brachte es in der Ära Koller auf 33 Einsätze, ist in dieser Statistik führend. "Es ist wunderschön, dass er mir vertraut."

Arnautovic spuckt vor den Testpartien am Samstag gegen Albanien und am Dienstag gegen die Türkei (jeweils im Happel-Stadion) leise Töne. Beide sind auch für die EM qualifiziert. "Genau wie wir nicht zufällig." Die Albaner seien laufstark, kompromisslos, gut organisiert, Trainer Giovanni De Biasi, ein Italiener, habe die richtige Taktik parat. "Das wird schwierig. Ich möchte uns nicht superstark reden. Auch wir müssen uns verbessern, sind nicht am Zenit angelangt. Der Weg hat erst begonnen."

Die Endrunde in Frankreich sei noch zu weit weg, um darüber zu referieren. Arnautovic lehnt es ab, irgendwelche Prognosen abzugeben, das wäre strohdumm und ein Lesen im Kaffeesud. "Sage ich, wir wollen ins Viertelfinale und schaffen es nicht, dann werden wir gewatscht."

Respekt

Den Gruppengegnern Ungarn, Portugal und Island gebühre großer Respekt. "Die muss man erst einmal schlagen. Für uns ist ein Turnier eine völlig neue Erfahrung." Arnautovic möchte zunächst die beiden Länderspiele und die sieben ausstehenden Aufgaben in der Premier League erfolgreich gestalten, Platz acht sei sicher nicht das Maximum. "Und ich will gesund bleiben, dann beschäftige ich mich mental mit Frankreich."

Der Vertrag bei Stoke endet 2017, der Klub zeigt sich an einer vorzeitigen Verlängerung hoch interessiert. Für Arnautovic verhandelt sein Bruder Danijel. "Ich sage dazu nichts, die Leute sollen spekulieren." Wobei er schon eine spezielle, sentimentale Beziehung zu Stoke aufgebaut hat. "Die haben mich vor drei Jahren aus Deutschland von Bremen geholt, wo ich nicht glücklich war. Stoke hat mich zum Leben erweckt. Dafür bin ich dankbar." (Christian Hackl, 24.3.2016)

  • Ab und zu kann Arnautovic grimmig dreinschauen.
    foto: apa/robert jaeger

    Ab und zu kann Arnautovic grimmig dreinschauen.

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