Nach Brüssel: Vatikan setzt Osterprogramm unbeirrt fort

24. März 2016, 22:28
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Auch die italienischen Behörden versuchen vor den Feiern in Rom zu beruhigen

Ich richte erneut einen Appell an alle Menschen guten Willens, diese grausamen Abscheulichkeiten, die nur Tod, Terror und Entsetzen erzeugen, einstimmig zu verurteilen", erklärte Papst Franziskus am Mittwoch anlässlich der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Und die Gläubigen forderte er auf, dafür zu beten, "dass diese von einem grausamen Fundamentalismus geblendeten Leute" sich bekehren. Am gleichen Tag hatte der Vatikan klargestellt, dass der Papst trotz der jüngsten Attacken in Brüssel und der Sorge, dass auch Rom zum Ziel werden könnte, keine Abstriche beim Osterprogramm zu machen gedenke.

Eine weitere Antwort gab der Papst am Gründonnerstag: Zur traditionellen Abendmahlsliturgie kam das katholische Kirchenoberhaupt in das rund dreißig Kilometer nördlich von Rom liegende Asylzentrum von Castelnuovo di Porto. Das Kirchenoberhaupt wusch und küsste die Füße von zwölf Menschen, elf davon Flüchtlinge, darunter drei Muslime. Gleichzeitig warf er Waffenproduzenten vor, zumindest teilweise für den Terror verantwortlich zu sein.

Nervosität im Kolosseum

Doch die päpstlichen Entspannungsgesten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige seiner österlichen Auftritte für die Sicherheitsorgane große Herausforderungen darstellen. Als eine der gefährdetsten Feierlichkeiten gilt die Karfreitagsprozession bei dem nur von Fackeln erleuchteten Kolosseum in Rom.

Die höchste Sicherheitsstufe wird auch bei der Ostermesse und dem anschließenden Segen "urbi et orbi" am Sonntag auf dem Petersplatz gelten. Sowohl das Kolosseum als auch der Petersplatz werden in eine Hochsicherheitszone ausgebaut; Sprengstoffspürhunde werden ebenso im Einsatz sein wie Heckenschützen auf den Dächern.

Insgesamt haben sich aber auch die italienischen Sicherheitsbehörden von den Brüsseler Anschlägen nicht sehr beeindrucken lassen. Einerseits herrscht in Rom bereits seit der Eröffnung des "Heiligen Jahres der Barmherzigkeit" am 8. Dezember die für Friedenszeiten höchste Sicherheitsstufe. Andererseits verfügen die Polizeiorgane dank ihres jahrzehntelangen Kampfs gegen die Mafia über Erfahrung bei der Überwachung von Verdächtigen.

Wie Innenminister Angelino Alfano diese Woche bekanntgab, wurden in den vergangenen 15 Monaten in Italien 396 Personen wegen Verdachts auf terroristische Umtriebe verhaftet, 74 Personen wurden des Landes verwiesen, darunter fünf Imame. Ganz so einfach wie in Belgien soll es der IS in Italien nicht haben. (Dominik Straub, 24.3.2016)

  • Der Papst wusch Flüchtlingen die Füße.
    foto: reuters/osservatore romano/handout via reuters

    Der Papst wusch Flüchtlingen die Füße.

  • An zentralen Punkten, etwa beim Kolosseum, hat Italiens Polizei die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Insgesamt gibt man sich aber unbeeindruckt.
    foto: afp photo / alberto pizzoli

    An zentralen Punkten, etwa beim Kolosseum, hat Italiens Polizei die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Insgesamt gibt man sich aber unbeeindruckt.

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