Sandy macht auch den Hahn glücklich

25. März 2016, 05:30
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Eintagsküken fallen in der Hochleistungszucht als Abfallprodukt an. Mit Dualhuhn "Sandy" soll in Österreichs Biobranche alles anders werden

Wien – Kritische Konsumenten wissen so etwas: Es gibt nicht nur Eintagsfliegen, sondern auch Eintagsküken. Während Eintagsfliegen von Natur aus ein kurzes Leben beschieden ist, fallen die Eintagsküken als Abfallprodukt in der Hochleistungszucht an. Europaweit haben jährlich geschätzte 300 Millionen direkt nach dem Schlüpfen ihr Leben schon wieder verwirkt. In Österreich sind es rund fünf Millionen pro Jahr.

Freude hat damit niemand. "Das ist ein gravierendes Thema", sagt Michael Wurzer, Geschäftsführer der heimischen Arbeitsgemeinschaft der Geflügelwirtschaft (ZAG). Während die weiblichen Küken in den Zuchtbetrieben in die Versandbox wandern, werden die männlichen mit Gas erstickt oder im sogenannten Homogenisator mit rotierenden Messern zu Brei verarbeitet. In den Brütereien erkennt man sie am Flaum und am speziellen Wuchs der Federn.

Henne oder Hahn

Ob in einem Ei Henne oder Hahn ist, kann man bislang erst nach dem Schlüpfen beantworten. "In drei bis fünf Jahren sollte es eine zuverlässige, leistbare Lösung geben, mit der man das schon vorher erkennt", sagt Wurzer. Bis es so weit ist, kommt aus jedem zweiten Ei ein Hahn, für den man keine so richtige Verwendung hat. Brauchbare Lösungen werden seit langem gesucht.

Vor allem in der Biobranche, die unter diesem Makel litt. Weil das Ei unter den Biolebensmitteln den höchsten Marktanteil hat, gab es auch den notwendigen finanziellen Spielraum. Manch einer versuchte es mit dem Zweinutzungshuhn, das gleichzeitig legefreudig und für die Mast geeignet ist. "Wirtschaftlich hat sich das alles nicht gerechnet", sagt Reinhard Geßl vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Dann kam "Sandy", eine Züchtung des deutschen Riesen Lohmann. "Der Hybrid legt mit rund 310 Eiern sogar mehr als die herkömmliche Legehenne mit 300", sagt Geßl. Die männlichen Abkömmlinge sind dagegen nach der Aufzucht "schlank wie Tauben". Mit Sandy traute sich die Branche laut Geßl über "eine mutige Lösung". Eier werden nur noch dann als bio verkauft, wenn auch die männlichen Küken aufgezogen werden. Die relevanten Player – Brütereien, der Lebensmittelhandel und der Bio-Dachverband – sind sich einig.

Systemumstellung

Vorangetrieben hat das Projekt das Schlierbacher Geflügel-Unternehmen "Die Eiermacher", das 50 Prozent am Bio-Eier-Markt hält. "Eine gute Sache", findet Hanna Zedlacher vom Tierschutzverein Vier Pfoten. Die Hoffnung ist, dass die Rechnung auch wirtschaftlich aufgeht, der Mehrerlös mit den Eiern, den weitaus höheren Aufwand für die Hahnaufzucht abfedert. Denn nach 63 Tagen wiegt ein solcher ein Kilogramm, das Biomasthuhn nach 56 Tagen zwei. Auch eigene Schlachtanlagen sind nötig. Die Eier werden wohl drei Cent je Stück teurer werden.

"Man muss auch überlegen, wie man das verarbeitet und vermarktet", beschreibt Geßl den Aufwand für die "revolutionäre Systemumstellung". Die schreitet laut Eiermacher-Chef Manfred Söllradl zügig voran. "Mehr als 300.000 Bio-Hahnküken werden heuer aufgezogen. Wer zu Ostern ein Bioei kauft, tut auch dem Hahn was Gutes." (Regina Bruckner, 25.3.2016)

  • Wer zu Ostern ein Bioei kauft, tut auch den männlichen Küken Gutes. Sandys Eier sind cremefarben, aber auch den braunen Bioeiern haftet kein Makel an, denn die Umstellung der Herden braucht Zeit.
    foto: dpa/schulze

    Wer zu Ostern ein Bioei kauft, tut auch den männlichen Küken Gutes. Sandys Eier sind cremefarben, aber auch den braunen Bioeiern haftet kein Makel an, denn die Umstellung der Herden braucht Zeit.

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