Stammzellveränderungen sind schuld an Haarausfall

25. März 2016, 16:59
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Zwei Forschungsteams untersuchten, wie Stammzellen in Haarfollikeln altern und zu Haarverlust führen

Kürzlich wurde ein ganzer Schwung an Genen entdeckt, die Haareigenschaften beeinflussen, darunter auch das Ergrauen oder Verlieren der Haarpracht. Am selben Thema, aber einer anderen Front forscht auch ein internationales Team unter der Leitung von Emi Nishimura: Die Wissenschafter untersuchen die Entwicklung von Geweben während des Alterungsprozesses.

Für die Ursachen, weshalb sich unser Körper beim Älterwerden verändert, gibt es diverse Theorien: Viele Zellen können sich nur eine bestimmte Anzahl an Malen, die immer kleiner wird, teilen; reaktiver Sauerstoff schädigt unsere Moleküle, Telomere an den Chromosomenenden verkürzen sich. Vermutlich sorgen diese Prozesse in ihrer Kombination dafür, dass der Zahn der Zeit an Organismen nagt.

Alternde Follikelstammzellen

Eine Rolle spielen dabei auch Stammzellen, doch es ist schwierig, die genaue Entwicklung somatischer Stammzellen experimentell zu testen. Nishimura und Kollegen haben dies anhand des Haarfollikels versucht: Das Miniorgan der Haut sorgt dafür, dass Haare wachsen. Dabei wechseln sich die Wachstumsphase und die Ruhephase ab. Die Forscher stellten fest, dass Haarfollikel sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen mit dem Alter kleiner werden und manche ganz verschwinden. Dies passiert nicht nur wie bisher vermutet bei Männern, die zu rund 80 Prozent früher oder später von Haarausfall betroffen sind, sondern auch bei Frauen.

Dieser Vorgang hängt mit dem Altern der Follikelstammzellen zusammen. Als Reaktion auf DNA-Beschädigungen bilden die gealterten Stammzellen einen Stoff, der dazu führt, dass ein bestimmter Kollagen-Typus zerstört wird. Durch dessen Abbau verlieren Follikelstammzellen ihre Fähigkeit zur Selbsterneuerung und entwickeln sich zu hornbildenden Zellen der Oberhaut (Keratinozyten), was zum Haarverlust führt.

Indem die Stammzellen dazu "gezwungen" werden, das Typ-XVII-Kollagen zu erhalten, kann dieser Alterungsprozess aufgehalten werden, schreiben die Wissenschafter im Fachmagazin "Science". Dadurch sei es vielleicht möglich, neue Strategien gegen entsprechende Krankheiten zu entwickeln.

Verkürzte Ruhephase und Haarverlust

Auch ein US-amerikanisches Team der University of Colorado in Boulder beschäftigte sich mit Follikelstammzellen, insbesondere mit deren Ruhe- und Wachstumsphasen. Rui Yi und Kollegen stellten fest, welche Rolle dabei der Transkriptionsfaktor Foxc1 einnimmt, der womöglich von epigenetischen Veränderungen beeinflusst wird.

Das Protein ist in der Ruhephase der Stammzelle nicht vorhanden, dafür aber in der aktiven Phase, wenn ein neuer Haarzyklus beginnt. Wenn Foxc1 gehemmt wird, beeinflusst dies Gene, die die Pausenzeit der Follikelstammzelle kontrollieren: Das Fehlen des Proteins führt zu einer verkürzten Ruhephase, die den Verlust des Haars zur Folge hat. Darüber hinaus wird die Aktivierung von Stammzellen unterdrückt. (sic, 25.3.2016)

  • Im Haarfollikel ist während der Selbsterneuerungsphase von Stammzellen (grün) der Transkriptionsfaktor Foxc1 (magenta) erkennbar.
    foto: rui yi, university of colorado

    Im Haarfollikel ist während der Selbsterneuerungsphase von Stammzellen (grün) der Transkriptionsfaktor Foxc1 (magenta) erkennbar.

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