Die leidige Personalfrage

Kolumne24. März 2016, 17:33
70 Postings

Nicht einmal 30 Prozent der FPÖ-Sympathisanten würden Strache bei einer Direktwahl zum Kanzler auf den Schild heben

Angeblich wollen mehr als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher, dass die FPÖ einer nächsten Bundesregierung angehören möge, laut einer Umfrage von Profil exakt 57 Prozent. Die Korrektheit der Erhebung unterstellt, handelt es sich dabei weniger um einen Vertrauensvorschuss für die Strache-Truppe, sondern zunächst um eine Misstrauenserklärung an die amtierende rot-schwarze Koalition und dann um die Sehnsucht von ÖVP-Sympathisanten, nach der Zwangsehe mit den ungeliebten Roten endlich wieder in die kuschelige Umarmung mit den Freiheitlichen sinken zu können. Träumen doch gleich 52 Prozent der ÖVP-Wähler den alten Schüssel-Traum. Bei Rot und Grün sind es nur halb so viele.

So weit wären die Motive für freiheitliches Mitregieren klar. Wendet man sich jedoch von der eher abstrakten Fragestellung ab und konkreten Fragen zu, verliert das Unternehmen an Plausibilität. Als stärkste Partei, als die die FPÖ seit längerer Zeit in Umfragen ausgewiesen ist, müsste Strache Anspruch auf den Bundeskanzler erheben, will er sich selbst gegenüber glaubwürdig bleiben. Ob ein Bundeskanzler Strache auch dem Wunsch von 57 Prozent der Wähler entspräche, wurde leider nicht abgefragt, ist aber wenig wahrscheinlich. Nicht einmal die 30 Prozent FPÖ-Sympathisanten würden ihn bei einer Direktwahl auf den Schild heben.

Ferner hätte man die Wähler fragen können, welche Persönlichkeiten – wenn schon Regierungsbeteiligung – die Freiheitlichen für welches Ressort aufzubieten haben. Die hätten natürlich am liebsten das Innen- und das Verteidigungsministerium. Dort könnte man sie sich inzwischen halbwegs gut vorstellen, verstehen sich doch schon die gegenwärtigen Ressortleiter als Adepten freiheitlicher Ideale. Aber mehr, als Europa zu einer Festung ausbauen zu wollen, kann auch ein Freiheitlicher nicht leisten. Wozu dann wechseln?

Dass die Vorstellung eines freiheitlichen Kulturministers – es könnte sich dabei nur um Kickl oder Mölzer handeln – weniger als neunzig Prozent eines Volkes, begnadet für das Schöne, verschreckt, ist unwahrscheinlich, sollte aber unbedingt abgefragt werden. Bei einem blauen Finanzminister wäre das überflüssig, ist es doch der vorigen FP-Personalspende für dieses Ressort auch nach einem Jahrzehnt der Unschuldsbeteuerungen nicht gelungen, sich der gerichtlichen Aufmerksamkeit zu entziehen. Andere Human Ressources blauer Fechsung von 2000 bis 2006 sind trotz ihres kurzfristigen Unterhaltungswerts einer gnädigen Vergessenheit anheimgefallen, neue drängen sich nicht gerade auf.

Es gibt Parteien, bei denen mit der abgefragten Zustimmung auch das Personalangebot wächst. Dass blaue Provinzpolitiker einander wechselseitig ihr Talent in Fremdenfeindlichkeit bestätigen, deutet nicht darauf hin, dass in der FPÖ unter Strache diesbezüglich Verbesserung zu erwarten ist – auch nicht die Akquisition einer erledigten Wiener Bezirkspolitikerin und die schwierige Nominierung eines Verlegenheitskandidaten für die Bundespräsidentenwahl. Der prahlt mit der Entlassung der Bundesregierung bei Nichtgefallen. Solange die FPÖ nicht beteiligt ist. (Günter Traxler, 24.3.2016)

Share if you care.