The Godfathers: Der ewige Kampf um den Klassenerhalt

24. März 2016, 16:11
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In den 80ern lieferten sie kämpferische Gassenhauer, am Montag gastieren sie in Wien

Wien – Ungünstige sozialpolitische Bedingungen zeitigen oft große Kunst. Zumindest war das einmal so. Zum Beispiel in den 1980ern in England während des Regimes der Margaret Thatcher, der Eisernen Lady. Unter ihr blutete die stolze britische Arbeiterklasse und die Mittelschicht verlor zusehends den Kampf um den Klassenerhalt. Goldene Zeiten für die Popmusik.

Die britische Band The Godfathers schrieb eine der Hymnen dieser Epoche. Es war das pessimistisch-realistische Birth School Work Death. Die Biografie eines Arbeiters auf vier Worte eingedampft, ein Klassiker. Vorgetragen wurden dieser und andere Songs mit einem bestechenden Instinkt für Gassenhauer. Kommenden Montag gastieren die Godfathers im Chelsea. Ein Wiederauferstehungsfest im Zeichen des Rock'n'Roll.

Hervorgegangen war die Formation um die Coyne-Brüder Chris und Peter aus der Asche der Sid Presley Experience. Schon unter diesem referenzreichen Signum galt sie als heißes Eisen im Feuer des damaligen britischen Independentrock, aber erst nach der Umbenennung in The Godfathers hob die Band ab. Majorvertrag und Hits wie If I Only Had Time, I Want Everything oder Love Is Dead machten die Band für ein paar Jahre zur beständigen Größe.

Kühle schwarze Anzüge und die mitreißenden No-Bullshit-Liveshows als gleichberechtigtes Kollektiv besorgten den Rest des guten Rufs. Auf dem Leonard Cohen zuzwinkernden zweiten Album More Songs About Love and Hate trugen sie für Songs wie Walking Talking Johnny Cash Blues Cowboystiefel zum Anzug. Die Riffs schnalzten sexy, die Godfathers waren heiß.

Die Erfolge in den USA und Europa waren dabei aber bald größer als zu Hause, was der Band dauerhaft nicht gut bekam. Zu schwächer werdenden Alben verschwand sie in den frühen 90er-Jahren nach und nach. In den Nullerjahren tauchten die Godfathers nach brotlosen Nebenprojekten in Originalbesetzung plötzlich wieder auf und tourten, vornehmlich mit dem Material der ersten drei, vier Alben.

Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, und das ist gut so. Ihr Programm aus satt rockenden, schnörkellosen Songs besteht mühelos den Test der Zeit. Thatcher mag Geschichte sein, Birth School Work Death klingt heute noch so frisch wie am ersten Tag. (Karl Fluch, 24.3.2016)

The Godfathers live, 28. 3., Chelsea, 8., Lerchenfelder Gürtel, Bögen 29-32, 21.00

  • Stolz kennt kein Alter, Gassenhauer ebenfalls nicht. The Godfathers haben beides. Am Montag tritt die britische Formation im Chelsea auf.
    foto: chelsea

    Stolz kennt kein Alter, Gassenhauer ebenfalls nicht. The Godfathers haben beides. Am Montag tritt die britische Formation im Chelsea auf.


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