Deutsche Löhne stiegen 2015 kräftig

24. März 2016, 14:52
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Beschäftigte profitieren von Mini-Inflation

Berlin – Die Kauflaune der Deutschen hat einen kleinen Dämpfer erlitten. Das Barometer für das Konsumklima im April sank wegen leichter Konjunkturskepsis um 0,1 auf 9,4 Punkte, wie die Nürnberger GfK-Marktforscher am Donnerstag zu ihrer Umfrage unter 2.000 Bürgern mitteilten. "Der Optimismus der deutschen Verbraucher schwächt sich insgesamt etwas ab", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Er betonte jedoch: "Trotz der leichten Einbußen ist die Konsumlaune bislang ungebrochen." Denn die Kaufkraft der Deutschen stieg im vorigen Jahr so stark wie seit mindestens 2008 nicht mehr. Die Reallöhne legten um 2,4 Prozent zu, da die Inflation so gering blieb wie seit sechs Jahren nicht.

Wirtschaft ankurbeln

Dank niedriger Zinsen, wenig Preisdruck und Jobsicherheit dürften die deutschen Verbraucher auch 2016 die Wirtschaft ankurbeln. Sie werden ihre Ausgaben nach GfK-Schätzung um rund zwei Prozent steigern. Im Vorjahr hatte es bereits mit 1,9 Prozent das größte Plus beim Konsum seit 2000 gegeben. Derzeit blicken die Verbraucher aber nicht mehr ganz so optimistisch auf die Konjunktur, wie aus der Umfrage hervorgeht. Zudem schätzten sie ihre künftige Finanzlage weniger günstig ein, auch ihre Bereitschaft für größere Einkäufe ließ etwas nach. Dennoch bleiben etwa die Einzelhändler, die 2015 das größte Umsatzplus seit zwei Jahrzehnten schafften, zuversichtlich. "Insgesamt ist die Konsumstimmung trotz des Dämpfers noch auf einem hohen Niveau", sagte Stefan Hertel vom Branchenverband HDE.

Für Rückenwind sorgen steigende Einkommen. Die Nominallöhne kletterten 2015 um 2,7 Prozent, während die Inflation wegen der günstigen Energiepreise mit 0,3 Prozent extrem niedrig ausfiel. Das Statistische Bundesamt bezeichnete den Anstieg der Reallöhne offiziell als größtes Plus seit Beginn der Datenerhebung 2008. Allerdings legten andere Zahlen sogar nahe, dass es das höchste Plus seit 1992 gewesen sei, sagte eine Statistikerin.

Niedrigqualifizierte verdienen mehr

Die Experten betonten zwar, der Einfluss des gesetzlichen Mindestlohns auf die Nominal- und Reallöhne lasse sich nicht beziffern. Allerdings signalisieren die Daten, dass die Lohnuntergrenze von 8,50 Euro durchaus eine Rolle gespielt hat. Denn das Statistikamt selbst betonte: "Vor allem für Beschäftigte mit eher unterdurchschnittlichen Verdiensten gab es hohe nominale Zuwächse." Demnach fiel der Anstieg des monatlichen Bruttoverdienstes bei ungelernten Arbeitnehmern mit 4,1 Prozent überdurchschnittlich hoch aus. Insgesamt gab es im Osten ein Plus von 4,0 Prozent und im Westen von 2,5 Prozent.

Daten für Jänner und Februar signalisieren, dass die Löhne deutschlandweit auch im ersten Quartal deutlich anzogen. Damit dürfte der private Konsum die Wirtschaft weiter anschieben, sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar. "Angesichts der recht hohen Forderungen in den anstehenden Tarifrunden und der weiter niedrigen Inflation dürfte sich dies 2016 fortsetzen." (APA, 24.3.2016)

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