IS in Palmyra und Mossul unter Druck

24. März 2016, 19:40
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Das irakische Militär hat am Donnerstag den Start seiner Offensive zur Befreiung der Millionenstadt Mossul im Norden des Landes angekündigt, die innerhalb des laufenden Jahres beendet sein soll. Derweil rückte die syrische Armee weiter zum Zentrum Palmyras vor

Bagdad/Damaskus – Sowohl im Irak als auch in Syrien haben die jeweiligen Regierungstruppen neue Offensiven gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" gestartet. Zunächst meldete das irakische TV, dass die lange erwartete Offensive zur Befreiung der Millionenstadt Mossul, die der IS vor fast zwei Jahren unter seine Kontrolle gebracht hat, angelaufen sei. Wenig später zeigte dann das syrische Staatsfernsehen Bilder, die aus der unmittelbaren Umgebung der antiken Stadt Palmyra stammen sollen und Soldaten der Armee Bashar al-Assads zeigen.

Aus der Nähe Palmyras waren schon in den vergangenen Tagen immer wieder Kämpfe zwischen der syrischen Armee und dem IS gemeldet worden. Sie gilt als besonders symbolbeladen, weil der IS dort nach der Eroberung im Mai 2015 mehrere antike Stätten sprengte, die zum Weltkulturerbe der Unesco zählten. Die Stadt hat aber auch strategischen Wert, weil sie an einer wichtigen Straße vom Westen des Landes in Richtung der Stadt Raqqa liegt, die der IS als seine Hauptstadt sieht.

Die syrische Armee hatte schon in den vergangenen Wochen mehrfach einen Einmarsch in Palmyra und der benachbarten modernen Stadt Tadmur in Aussicht gestellt, in der vor dem Krieg rund 50.000 Menschen gelebt hatten. Sie wird dabei erneut aus der Luft von russischen Kampfjets unterstützt. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf Quellen vor Ort stützt, meldete, Truppen hätten die Stadt am Nachmittag noch nicht erreicht. Die Angaben der in London ansässigen Gruppe lassen sich ebenso wenig überprüfen wie jene der syrischen Armee und des Staats-TV.

Die in Syrien seit Ende Februar gültige Waffenruhe zwischen Regierung und Opposition bezieht sich nicht auf den Kampf gegen die beiden extremistischen Organisationen IS und al-Nusra.

Bei den Friedensgesprächen in Genf gab es unterdessen Anzeichen für eine kleine Annäherung. Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, wurde erwartet, dass Regierung und Opposition sich auf ein Dokument verständigen, in dem jene Punkte aufgeführt sind, bei denen sich beide Seiten einig sind. Die Gespräche sollen möglichst vom 9. April an fortgesetzt werden und sich auf den angestrebten politischen Übergangsprozess konzentrieren, erklärte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura am Donnerstagabend.

Lange Zeithorizonte

Als kleiner Schritt ist vorerst auch die am Donnerstag angekündigte "erste Phase" der irakischen Armeeoffensive zur Befreiung Mossuls zu sehen. Im Laufe des Tages seien bisher vier Dörfer in der Umgebung eingenommen worden, sagte ein Armeekommandant der Nachrichtenagentur Reuters. Auch diese Angaben haben aber eher kosmetischen Wert: Irakische Regierungsmitglieder haben die Hoffnung geäußert, das zweitgrößte Bevölkerungszentrum des Irak – das vor der Einnahme durch den IS zwei Millionen Einwohner gehabt hatte – im kommenden Jahr zurückerobern zu können.

Aber auch zu diesen Angaben äußern sich einige westliche Experten skeptisch. Sie bezweifeln, dass die Armee die Kapazität dafür habe. (red, 24.3.2016)

  • Syrische Soldaten vor Palmyra in einem am Donnerstag im syrischen Fernsehen gezeigten Video.
    foto: reuters/sana

    Syrische Soldaten vor Palmyra in einem am Donnerstag im syrischen Fernsehen gezeigten Video.

  • 25. August 2015: IS-Jihadisten sprengen den Baalshamin-Tempel.
    foto: ap/islamic state social media account

    25. August 2015: IS-Jihadisten sprengen den Baalshamin-Tempel.

  • Artikelbild
  • Dieses am 21. März veröffentlichte Bild zeigt, wie IS-Kämpfer versuchen, Luftangriffe abzuwehren.
    foto: reuters/islamic statesocial media website

    Dieses am 21. März veröffentlichte Bild zeigt, wie IS-Kämpfer versuchen, Luftangriffe abzuwehren.

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