"Super Mario Maker": Nintendo bringt Streamer mit Level-Löschung in Existenznot

30. März 2016, 09:51
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Sämtliche Level von "Grandpoobear" ohne Erklärung entfernt, Spieler hatte zuvor Kritik an Nintendo geübt

Mit dem "Mario Maker" hat Nintendo den Fans des berühmten Installateurs in Latzhosen die Möglichkeit gegeben, sich gegenseitig mit eigenen Levelkreationen zu fordern. Davon machen die Spieler auch eifrig Gebrauch. Auch unter Let‘s-Playern und Streamern erfreut sich das Werkzeug hoher Beliebtheit.

Doch beim Community-Management scheint der japanische Spieleentwickler aktuell zu versagen. Laut Kotaku kommt es immer wieder zur Löschung von Levels, ohne dass deren Ersteller eine Erklärung dafür erhalten. Besonders drastisch hat es den Streamer David Hunt alias "Grandpoobear" nun erwischt. All seine Kreationen wurden von den Servern entfernt, was ihn in existenzielle Nöte stürzen könnte.

Keine einfache Wiederherstellung

Die Löschung wiegt schwer, denn Spieler können ihre Level dann zwar noch auf ihrer Wii U spielen, aber nicht einfach neu hochladen. Entfernte Stages müssen vor dem Upload neu gebaut werden. Eine direkte Wiederherstellung kann nur Nintendo selber veranlassen. Hunt hat nach eigenen Angaben 100 Stunden damit zugebracht, fünf Levels zu erstellen und hochzuladen.

Andere Spieler, denen ein Level gefällt, können dafür Sterne vergeben. Daher sind sie wichtig, weil Nintendo regelmäßig unpopuläre Level entfernt. Auf die Kreationen von "Grandpoobear" traf dieses Kriterium allerdings nicht zu. Seine Streaming-Aktivitäten drehen sich zu 90 Prozent um den "Mario Maker" und generieren gleichzeitig 90 Prozent seines Einkommens – entsprechend bringt ihn Nintendos Vorgehen in Bedrängnis.

Ein auf Youtube dokumentierter Anruf beim Nintendo-Support brachte für Hunt keine Lösung. Die Mitarbeiterin des Konzerns konnte ihm nur mitteilen, dass er nicht wegen Cheatings oder anderen Problemen gemeldet worden war.

grand poobear

Nintendo prüft die von Spielern hochgeladenen Levels nicht nur auf eigene Faust, sondern stellt auch einen Melde-Mechanismus zur Verfügung. Laut Kotaku ist dieser allerdings sehr missbrauchsanfällig. Schon ein paar böswillige Meldungen sollen ausreichen, um ein Level "abzuschießen".

Vorgeschichte

Was Löschungen angeht hat der Streamer auf eine Vorgeschichte zu verweisen. Im Jänner hatte Nintendo ein Level namens "Pile of Poo-Poogatory" entfernt, das bis dahin hohe Beliebtheit genossen hatte. Auch hier konnte ihm Nintendos Beschwerdestelle nicht helfen, teilte ihm aber mit, dass es eine Beschwerde aufgrund der Benennung des Levels gegeben hatte. Hunt verwies auf den Bezug zu seinem Usernamen und darauf, dass auch andere Levels, in dessen Namen der Begriff "poo" vorkommt, noch online seien.

Ihm wurde daraufhin angeboten, seinen Fall an die Administratoren weiterzuleiten, die sich aber unweigerlich auch alle anderen Stages ansehen würden. Hunt ging das Risiko ein. Das Angebot, den Namen des "Poogatory"-Levels zu ändern, konnte man nicht annehmen, da dies nicht möglich sei und Nintendo aktuell die Kreationen nur im Gesamtpaket bewertet.

Etwa eine Woche später teilte ihm ein Supportmitarbeiter mit, dass sein Level wiederhergestellt würde, nur um sich wenige Tage später korrigieren zu müssen. Es sei eine "Designentscheidung" gewesen, die Stage doch offline zu lassen. Mittlerweile sind alle Level entfernt worden, auch eine ohne "poo" im Namen. Er vermutet nun, dass sich Nintendo möglicherweise für seine öffentliche Kritik gerächt hat.

Ärger

Fälle wie diese dürften den Ärger über Nintendos undurchsichtigen und rigiden Umgang mit seiner Spieler- und Youtuber-Community noch verstärken. Wer Videos über Nintendo-Games auf Youtube stellt, muss dem umstrittenen "Creators Program" beitreten und das Unternehmen an seinen Werbeeinnahmen beteiligen – ist aber trotzdem nicht davor gefeit, dass der Hersteller Videos löschen lässt, wenn es mit den Inhalten nicht einverstanden ist. (gpi, 30.3.2016)

wirspielen
Video: Wir spielen die gemeinen "Super Mario"-Levels der User.
  • Nintendo muss sich ob seines Umgangs mit seiner Community einige Kritik gefallen lassen.
    foto: nintendo

    Nintendo muss sich ob seines Umgangs mit seiner Community einige Kritik gefallen lassen.

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