Bio-Rohmilch enthält weniger resistente Keime

24. März 2016, 11:48
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Die Art der Haltung von Milchkühen könnte für die unterschiedliche Verbreitung von Antibiotika-resistenten Keimen verantwortlich sein, vermuten Experten

In Rohmilchproben aus ökologischen Milchrinderbetrieben treten Zoonosenerreger und insbesondere multiresistente MRSA-Keime seltener auf als in den entsprechenden Proben aus konventionellen Betrieben. Das ist das zentrale Ergebnis des kürzlich veröffentlichten Zoonosen-Monitorings 2014 vom Deutschen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Als mögliche Ursache werden Unterschiede bei der Haltung von Milchkühen vermutet.

Generell empfiehlt das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): "Rohmilch ab Hof vor dem Verzehr immer abkochen, weil sie mit Krankheitserregern wie Campylobacter oder EHEC verunreinigt sein kann."

Handlungsbedarf gegeben

Geflügelfleisch sei häufig mit Campylobacter-Bakterien kontaminiert, heißt es weiter in dem Bericht. Angesichts der hohen Zahl an Erkrankungen des Menschen an einer Campylobacter-Infektion besteht Handlungsbedarf, um die Belastung von Lebensmitteln mit diesen Keimen zu reduzieren, so die Einschätzung der Autoren.

Insgesamt wurden 6.865 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette untersucht und das Vorkommen der wichtigsten über Lebensmittel übertragbaren Erreger ermittelt. Dabei wurden 3.515 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht.

Keine Fortschritte bei Campylobacter

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wurden in Rohmilch aus konventionellen Milchviehbetrieben mit 9,7 Prozent positiver Proben signifikant häufiger nachgewiesen als in Rohmilch aus ökologischen Betrieben (1,7 Prozent positive Proben). "Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft ist der Verzehr oder der Kontakt mit MRSA-kontaminierten Lebensmitteln zwar nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden, durch diese Bakterien besiedelt oder infiziert zu werden, ein solches Risiko besteht aber für Menschen, die einen häufigen Kontakt zu positiven Tierbeständen haben, wie Landwirte und Tierärzte", schreiben die Verfasser des Berichts.

Die Experten kritisieren, dass bei der Verringerung von Campylobacter in Mastputen und Masthähnchen in den vergangenen Jahren keine Fortschritte erzielt werden konnten. 26,5 Prozent der Proben von frischem Putenfleisch und über die Hälfte (54 Prozent) der Proben von frischen Hähnchenschenkeln waren mit Campylobacter kontaminiert.

Anstieg der Resistenzrate

Im Gegensatz dazu ist das Vorkommen von Salmonellen weiter gesunken. Während die Bakterien in den Jahren 2010 und 2011 noch in rund 18 Prozent der geschlachteten Mastputen und Masthähnchen nachgewiesen werden konnten, waren im Jahr 2014 jeweils sieben Prozent der entsprechenden Hautproben positiv. Frisches Putenfleisch war zu 1,7 Prozent und frisches Hähnchenfleisch zu 4,7 Prozent mit Salmonellen kontaminiert.

Die Experten konstatierten einen allmählichen Anstieg der Resistenzrate von Salmonella-Isolaten aus der Mastputenkette gegen das Fluorchinolon Ciprofloxacin. Das ist insofern relevant, da dieser Wirkstoff als besonders wichtig für die antibiotische Behandlung beim Menschen gilt. In Proben von Mastputenfleisch war die höchste Resistenzrate (74,2 Prozent) gegen Ciprofloxacin gemessen worden. (red, 24.3.2016)

  • Kinder, Schwangere, ältere und kranke Menschen sollten auf Rohmilch und Rohmilchprodukte verzichten, so die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung.
    foto: apa/robert jaeger

    Kinder, Schwangere, ältere und kranke Menschen sollten auf Rohmilch und Rohmilchprodukte verzichten, so die Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung.

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