Album der Woche: The Body "No One Deserves Happiness"

25. März 2016, 10:45
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The Body lassen sich von Beyoncé und Eurodance beeinflussen. Sie spielen totally crazy Studentenmetal

Die auf verzerrte Gitarren, würdelose Band-T-Shirts und Schleudertrauma bei langhaarigen Headbangern spezialisierte US-amerikanische Fachzeitschrift Metal Sucks brachte es in ihrer Band-Hagiografie auf den Punkt: "There’s heaviness. There’s brutality. Then there’s The Body."

Das aus Chip King und Lee Buford bestehende Duo legt mit dem Album No One Deserves Happiness nach den Vorgängern Christs, Redeemers und I Shall Die Here schon die dritte genialische Arbeit in Folge vor. Sie ist dazu angetan, das ganze Genre ein wenig mit jenem Wahnsinn aufzuwerten, der im sonst handelsüblichen Gemetzel, Gewürge und Gehacke ein wenig unterzugehen droht. Man könnte auch sagen, dass es im Fach des Studentenmetal außer vielleicht Deafheaven und den doch immer erheblich nervenden Liturgy kaum einen Act gibt, der mit solch großer Beherztheit am Watschenbaum der Metal-Gemeinde rüttelt.

thrill jockey records

Vegane Walgesänge, Freizeitchöre von Jungakademikern, die Verwendung elektronischer Spielarten und der Einsatz simpler Akkordfolgen bei gleichzeitiger Einhaltung regulärer, also erträglicher Melodien war und ist man bei den in der Hipster-Metropole Portland ansässigen Vollbärten ja schon gewohnt. Neuerdings gesellen sich zu Gitarre und Schlagzeug noch eine aus dem Gründerzeit-Techno bekannte 808er-Drum-Machine, Cello, Harfe, Eierschneider, kosmische Schwingungen, Heilkräuter und das Rauschen des Regenwalds angesichts der Gottlosigkeit der Welt. Discuss.

Kompletter Wahnsinn

Von Satanistenbands bekannte Frauen singen Ennio Morricone. Die Band selbst besteht darauf, von Eurodance aus den 1980er-Jahren und/oder Beyoncé beeinflusst zu sein. Den in Serie geschalteten Verzerrern für die Gretsch-Gitarre ist das egal. Der dicke Mann am Mikrofon schreit verzweifelt, aber unverständlich. Er hat eine ziemlich hohe Stimme. Vorne starrt er in das existenzielle Nichts, hinter der Bühne wartet der vegetarische Burger mit getrüffelten Pommes. Er wird langsam kalt. Ist das alles nicht kompletter Wahnsinn?! Oh ja. Aaaaaaaaargh!!! (schach, Rondo, 25.3.2016)

  • The Body – No One Deserves Happiness (Thrill Jockey)
    foto: thrill jockey

    The Body – No One Deserves Happiness (Thrill Jockey)

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