Lage in griechischem Flüchtlingscamp laut Rotem Kreuz explosiv

24. März 2016, 14:30
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"EU muss verhindern, dass es Tote gibt" – Dutzende Flüchtlinge laut Helfern im Hungerstreik

Athen – Die Lage im Flüchtlingscamp in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze und der Umgebung spitzt sich zu. "Ich fürchte, es könnte zu einer Explosion kommen", sagte die Sprecherin des Rotes Kreuzes aus Idomeni, Despoina Filippidaki, am Donnerstag. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) forderte die EU indes auf, Griechenland rasch bei der Bewältigung des andauernden Ansturms von Flüchtlingen zu helfen.

"Die EU muss verhindern, dass es Tote gibt", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Griechenland sei mit der Bewältigung dieser Situation "hoffnungslos überfordert". Das Land brauche unverzüglich die organisatorische und finanzielle Hilfe, die ihm schon vor eineinhalb Jahren zugesagt worden sei. 2015 seien in Griechenland mehr als 800.000 Flüchtlinge angekommen, seit Anfang 2016 weitere 190.000.

Migranten blockierten Straßen

Filippidaki erklärte, dass einige junge Migranten in Idomeni die Straßen blockierten. "Wir können unsere humanitäre Hilfe nur unter schwierigsten Bedingungen verteilen." Die Schutzsuchenden wollen nach Mitteleuropa weiterfahren und protestieren gegen die Schließung der Grenze zu Mazedonien, der ersten Station der Balkanroute Richtung Österreich und Deutschland. Ein Caritas-Helfer sagte der APA am Mittwoch, dass 50 bis 100 Flüchtlinge in Idomeni in den Hungerstreik getreten seien.

Ärzte ohne Grenzen zog Mitarbeiter ab

Auch der Sprecher der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), Antonis Rigas, sagte im griechischen Fernsehen, viele Migranten seien mit den Nerven am Ende und hätten in den vergangenen Tagen Mitarbeiter humanitärer Organisationen bedroht. "Wir mussten unsere Mitarbeiter abziehen. Heute werden wir versuchen, wieder ins Camp zu gehen", so Rigas.

Reporter griechischer Medien haben beobachtet, dass sogenannte Aktivisten immer wieder den Migranten raten, Straßen zu blockieren, um die internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es seien die gleichen Leute, die vor zwei Wochen die Migranten zu einem Überschreiten der Grenze zu Mazedonien über unwegsames Gelände bewegt hatten, hieß es.

Verteilung der Flüchtlinge gefordert

Dem Beispiel des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Organisation "Ärzte ohne Grenzen", die ihre Mitarbeit in griechischen Auffangzentren aus Protest gegen die Vereinbarungen zwischen der EU und der Türkei aufgekündigt hatten, will der DRK nicht folgen. Seiters verwies der Zeitung zufolge vielmehr auf Zusagen der EU und der Türkei, das Völkerrecht uneingeschränkt zu wahren. Jeder Flüchtling habe Anspruch auf ein faires Asylverfahren und auf humanitäre Betreuung. Allerdings hält der frühere deutsche Innenminister die Vereinbarungen für nicht ausreichend. Es müsse endlich für eine solidarische Verteilung der Flüchtlinge in den EU-Staaten gesorgt werden, forderte er. (APA, 24.3.2016)

  • Die Asylwerber und Migranten protestieren gegen die Schließung der Grenze zu Mazedonien, der ersten Station der Balkanroute Richtung Österreich und Deutschland.
    foto: apa/afp/andrej isakovic

    Die Asylwerber und Migranten protestieren gegen die Schließung der Grenze zu Mazedonien, der ersten Station der Balkanroute Richtung Österreich und Deutschland.

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