Bankpensionisten-Run auf Staatspension

24. März 2016, 05:30
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Ehemalige Mitarbeiter der Bank Austria mit Bankpensionen liebäugeln mit Übersiedlung ins staatliche Pensionssystem

Wien – Die jüngsten Entwicklungen in der Bank Austria (BA) rund um den Transfer von rund 3300 Mitarbeitern ins staatliche Pensionsversicherungssystem schlagen hohe Wellen. Und zwar auch bei ehemaligen Mitarbeitern, die bereits im Ruhestand sind und Bankpensionen beziehen.

Viele von ihnen sind im Verein der Bank- und Sparkassenpensionisten mit seinen zwei Arbeitsgruppen (eine für die Ex-BA- und eine für Ex-Erste-Pensionisten) organisiert. Und dort wird neuerdings diskutiert, ob man sich nicht auch ins staatliche Pensionssystem (PVA) übersiedeln lassen sollte – mit Abfederungszahlungen, wie sie die 3300 Aktiven mit Anwartschaftsrecht auf Bankpension auch bekommen.

Unruhe der Altbanker

Auslöser für ihre Idee: Manche der Banker im Ruhestand (insgesamt 6800) hinterfragen, ob sich die österreichische Unicredit-Tochter die Pensionszahlungen bis zu deren Auslaufen wird leisten können; es geht um zwei bis drei Milliarden Euro. Für die ist aber vorgesorgt, zudem haftet die Gemeinde Wien (auch) dafür.

Vorige Woche haben die Altbanker das Thema heftig diskutiert, Beschluss haben sie dann aber keinen gefasst. Ehemalige Mitarbeiter der Zentralsparkasse (Z) wollen aber in Gespräche mit der gemeindenahen AVZ-Stiftung eintreten. Sie ist, erstens, Namensaktionärin der BA und haftet, zweitens, für sämtliche Verbindlichkeiten des Instituts.

Tatsächlich bekommen die ins ASVG übersiedelten, aktiven Banker in Summe 400 bis 440 Millionen Euro an Abfederungszahlungen von ihrem Arbeitgeber ausbezahlt. Nötig wurde das, weil die Bankpension ja höher gewesen wäre, als es die ASVG-Pension künftig sein wird. Zudem müssen die Banker nun – anders als bisher – auch Beiträge an die Pensionsversicherung (PVA) abliefern. Das Lückenschlussgeld wird aber nicht ausbezahlt, sondern an die Pensionskasse der BA-Mitarbeiter überwiesen. Nur vier von 3068 Übersiedelten (Stand: 1. März) haben die Zahlungen an eine betriebliche Kollektivversicherung einzahlen lassen.

Die Verteuerung des Mitarbeitertransfers ins staatliche System hat, anders als von manchen erwartet, auf die Bilanz 2015 keine Auswirkungen gezeigt. Die vorläufige Bilanz wurde Anfang Februar präsentiert, inzwischen ist die Bilanz abgeschlossen und mit uneingeschränktem Bestätigungsvermerk testiert. Die gesetzlichen Änderungen samt Anhebung des Transferbetrages von sieben auf 22,8 Prozent des Letztbezugs haben sich nicht aufs Zahlenwerk ausgewirkt. In absoluten Zahlen steigt der Transferbetrag um rund 440 Mio. Euro.

Rückstellungsauflösung bringt Plus

Kurzer Rückblick: Wegen der Novelle des Sozialversicherungsgesetzes (ASVG) muss die BA statt budgetierten 290 Millionen rund 729 Millionen überweisen. Nach längeren Diskussionen wurde das Gesetz im März im Nationalrat beschlossen – in Kraft ist es aber noch nicht.

Wegen des Pensionsdeals hat die BA laut vorläufiger Bilanz ihre Pensionsrückstellung (1,9 Mrd. Euro) aufgelöst, in der Ergebnisrechnung brachte der Deal ein Plus von rund 300 Mio. Euro. Wie das entstand: Den 1,9 Mrd. wurden die 290 Mio. für die PVA gegengerechnet, die rund 400 Mio. Euro an Abfederungszahlungen für die Mitarbeiter und rund 800 Mio. Euro für die Dotierung der Umstrukturierungsreserve.

Die Differenz zu den 1,9 Milliarden, 312 Mio. Euro, hat das Ergebnis daher verschönert. In Summe hat die BA 2015 laut vorläufiger Bilanz 1,3 Mrd. Euro Gewinn geschrieben. Dabei bleibt es also auch in der testierten Bilanz. (Renate Graber, 24.3.2016)

  • Auch die Zentrale in der Wiener Schottengasse hat die Bank Austria schon versilbert. Der Pensionsdeal der Bank wird zwar teurer als erwartet, in der Bilanz 2015 schlägt sich das aber nicht nieder.
    foto: apa/roland schlager

    Auch die Zentrale in der Wiener Schottengasse hat die Bank Austria schon versilbert. Der Pensionsdeal der Bank wird zwar teurer als erwartet, in der Bilanz 2015 schlägt sich das aber nicht nieder.

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