Neonazis griffen Moschee in Madrid an

23. März 2016, 17:27
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Mit Rauchkerzen und bengalischen Feuern marschierten Neonazis zur Zentralmoschee

Eine Gruppe Neonazis hat am Dienstagabend die Zentralmoschee in Madrid mit Bengalischen Feuern und Rauchkerzen angegriffen. Auf einer Brücke über die Stadtautobahn, die zum größten muslimischen Gebetshaus Spaniens führt, hängten sie ein Transparent auf: "Heute Brüssel, morgen Madrid?", war darauf zu lesen. Das Sicherheitspersonal der Moschee schloss rechtzeitig die Tore, bevor die Gruppe auf das Gelände vordringen konnte.

Die Aktion war minutiös vorbereitet. Die Rechtsradikalen begleiteten ihren Überfall live auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. #TerroristasWelcome lautete der Hashtag, angelehnt an das nicht nur in Spanien bekannte #RefugiadosWelcome. "Moscheen raus aus Spanien!", skandierten sie. In den sozialen Netzwerken warfen sie der Madrider Moschee vor, den "Islamischen Staat" (IS) zu finanzieren. Die Nazis beriefen sich dabei auf mehrere rechte Internetseiten, die vor wenigen Monaten das Gerücht in die Welt gesetzt hatten, die Moschee würde von jedem Gläubigen vor den Gebeten zehn Euro "Revolutionssteuer" verlangen. Angeblich würde die Polizei und die Staatsanwaltschaft ermitteln – eine Meldung, die freilich nicht auf Meldungen von Polizei oder Staatsanwaltschaft beruhte.

Die Aktion geht auf das Konto der wohl aktivsten rechtsradikalen Gruppe in der spanischen Hauptstadt. Sie stammt aus einem besetzten Haus, in dem sie ein "Nationales Sozialzentrum" unterhält. Dort geben die Neonazis an Krisenopfer Lebensmittel aus. Nur an Spanier, versteht sich.

Protest mit Franco-Motto

Bereits Ende 2015 führte die Gruppe eine ähnliche Aktion durch. Damals griffen sie die Zentrale der Volkspartei (PP) des konservativen Premiers Mariano Rajoy an. Der Schlachtruf der Gruppe lautete damals "Arriba España", das Motto der Faschisten unter Diktator Francisco Franco.

Die im Madrider Rathaus regierende Bürgerliste "Jetzt Madrid!" rund um die junge Antiausteritätspartei Podemos verurteilte den Übergriff. "Sie werden die muslimische Gemeinschaft nicht kriminalisieren. Wir kämpfen gemeinsam gegen den Terrorismus". (Reiner Wandler aus Madrid, 23.3.2016)

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