Wen Tuberkulose trifft

24. März 2016, 08:00
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Trotz steigender Flüchtlingszahlen sind die TBC-Neuerkrankungen in Österreich zurückgegangen. Weltweit sterben 1,5 Millionen Menschen jährlich

Wien – Heute vor 134 Jahren stellte der deutsche Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch der Berliner Physiologischen Gesellschaft eine bedeutende Entdeckung vor – er war auf den Erreger der Tuberkulose (Mycobacterium tuberculosis) gestoßen. Zu seiner Zeit starb noch einer von sieben Menschen in Europa und Amerika an Tuberkulose. Kochs Entdeckung hat den Weg für die Diagnose und die Heilung der Lungenkrankheit geebnet. Dennoch sterben auch heute noch jährlich etwa 1,5 Millionen Menschen weltweit an TBC, die meisten in Entwicklungsländern.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit Tuberkulose-Erregern infiziert. Allerdings entwickeln nur etwa fünf bis zehn Prozent der infizierten Erwachsenen im Laufe ihres Lebens eine Tuberkulose, die behandelt werden muss. Das sind laut WHO etwa neun Millionen Menschen. Ein besonders hohes Infektionsrisiko haben Personen mit eingeschränkter Immunabwehr, wie zum Beispiel Menschen mit HIV.

Das Erkrankungsrisiko steigt, je schlechter die Ernährung und die hygienischen Verhältnisse sind und je mehr Menschen auf engem Raum leben. Am schlimmsten ist die Ausbreitung in Afrika, südlich der Sahara und in Südostasien, sowie in Krisengebieten. Die Tuberkulose tritt in Osteuropa im Vergleich zu Westeuropa sehr viel häufiger auf.

Sinkende Zahlen in Österreich

In der Europäischen Union werden im Vergleich zu den übrigen Regionen weltweit die wenigsten Tuberkulosefälle verzeichnet. Jedoch variieren die epidemiologischen Muster von Land zu Land. So kann in manchen Ländern ein Rückgang der Erkrankungen beobachtet werden, während in anderen weiterhin die Erkrankungen steigen.

Die immer wieder geäußerten Befürchtungen, dass sich durch die vermehrte Migration und die Flüchtlingsströme Tuberkulose in Österreich weiter ausbreiten könnte, haben sich nicht bestätigt. Es kam sogar zu einem Rückgang der Fälle. In ganz Österreich gab es 2015 insgesamt 579 neue Tuberkuloseerkrankungen. Ein Jahr zuvor waren es mit 582 noch etwas mehr. Insgesamt hat sich in den letzten zehn Jahren die Anzahl der TBC-Infektionen halbiert. 2005 kam es noch zu 1.007 Neuerkrankungen.

grafik: apa

"Aufgrund rascher Diagnosen und erfolgreicher Therapien nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, ist die Tuberkulose in Österreich weiter rückläufig", sagt Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser. "Dennoch müssen wir wachsam bleiben. Das Auftreten von multiresistenter Tuberkulose ist nach wie vor eine Herausforderung für das öffentliche Gesundheitssystem".

Durch die Unterbringung von Flüchtlingen in Massenquartieren kann Tuberkulose leichter übertragen werden und aufgrund der beschwerlichen Lebensumstände auch leichter ausbrechen. Aus diesem Grund werden die Menschen konsequent untersucht und im Falle einer Erkrankung sofort behandelt.

Jeder Fall wird registriert

Alle Tuberkulosefälle sind meldepflichtig. Eine Schlüsselrolle bei der Tuberkulosebekämpfung übernimmt die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ein, die als Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit, den Behörden in den Bundesländern, Spitälern, niedergelassenen Ärzten und Betreuungseinrichtungen jeden einzelnen Fall von Tuberkulose erfasst und bis zur Beendigung der Therapie labordiagnostisch und epidemiologisch verfolgt.

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Bekämpfung der sogenannten latenten Infektion in Ländern, in denen es weniger als zehn Neuerkrankungen auf 100.000 Menschen gibt, zu einem vorrangigen Anliegen gemacht. Damit soll das Ziel sein, die Tuberkulose in Österreich bis 2050 "auszurotten".

Erreger der Tuberkulose sind aerobe, unbewegliche, langsam wachsende, stäbchenförmige Bakterien der Familie Mycobacteriaceae, Genus Mycobacterium. Der häufigste Erreger von Tuberkulose-Infektionen beim Menschen ist M. Tuberculosis. Die Tröpfcheninfektion bei offener Lungentuberkulose ist der Hauptübertragungsweg von Mensch zu Mensch. Man unterscheidet zwei Formen: Betroffene mit offener TBC geben die Bakterien an andere Menschen weiter, die geschlossene TBC ist eine nicht ansteckende Frühform.

Krankheitsverlauf

Nachdem TBC-Bakterien eingeatmet wurden, setzen sie sich in der Lunge fest. Dort entsteht eine Entzündung, die jedoch keine Beschwerden verursacht. In der Hälfte der Fälle, bleibt diese Entzündung das einzige Anzeichen für Tuberkulose. Hat der betroffene Patient ein gutes Abwehrsystem, wird die TBC automatisch gestoppt. Gelingt das nicht, breitet sie sich weiter aus und kann auch erst Jahre später aktiv werden. Die Symptome von TBC sind leichtes Fieber, Schwitzen in der Nacht, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Husten, Appetitlosigkeit und im Extremfall blutiger Husten.

Wird TBC rechtzeitig erkannt und therapiert, ist die Krankheit in den meisten Fällen heilbar. Behandelt wird mit verschiedenen Medikamenten über mehrere Monate. Die Therapie der Tuberkulose, wenn sie konsequent durchgeführt wird, ist in etwa 95 Prozent der Fälle erfolgreich. Resistenzen könnten aber entstehen, "wenn Tuberkulose-Patienten nicht adäquat behandelt werden, sei es, weil die Therapie falsch durchgeführt oder abgebrochen wird. Die Therapie muss dann wesentlich erweitert werden, die dafür benötigten Medikamente sind teuer und haben ausgeprägte Nebenwirkungen", sagt Rudolf Rumetshofer von der neu eröffneten Tuberkulosestation Severin im Otto Wagner Spital der Stadt Wien.

Rumetshofer betont, dass "in Österreich alle erforderlichen Medikamente zur Verfügung stehen und in speziellen Zentren verabreicht werden." (APA, red, 24.3.2016)

  • Wird TBC rechtzeitig erkannt und therapiert, ist die Krankheit in den meisten Fällen heilbar.
    foto: apa/dpa/rainer jensen

    Wird TBC rechtzeitig erkannt und therapiert, ist die Krankheit in den meisten Fällen heilbar.

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