OMV spürt vorzeitigen Abgang von Roiss

23. März 2016, 16:25
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Ex-Chef Gerhard Roiss erhielt nach seinem Abgang 6,35 Millionen allein an Abfertigung. Jetzt gelten neue Obergrenzen

Wien – Die vier Jahre und drei Monate, die Gerhard Roiss an der Spitze der OMV stand, waren für den heimischen Öl- und Gaskonzern – nachträglich betrachtet – teure Jahre. Dazu zählt nicht nur die Schieflage, in die das Unternehmen unter anderem durch Fehlinvestitionen geraten ist. Mehr als bisher bekannt musste die OMV auch für den vorzeitigen Abgang ihres Ex-Chefs zahlen.

War bisher von knapp drei Millionen Euro exklusive der Pensionsansprüche die Rede, soll sich die Abfindungszahlung für Roiss tatsächlich auf 6,35 Millionen Euro belaufen – verteilt auf mehrere Tranchen. Die vom Kurier am Mittwoch publizierten Details werden von Kennern des Unternehmens als "größenordnungsmäßig richtig" eingeschätzt.

Demnach bekam Roiss, der 1997 in den Vorstand der OMV aufgerückt ist und am 1. April 2011 Wolfgang Ruttenstorfer als Generaldirektor abgelöst hat, 2,34 Millionen Euro bereits im März 2014 ausbezahlt. Roiss hatte in den Verhandlungen um einen Anschlussvertrag auf eine vorzeitige Auszahlung der bis dahin fälligen Abfertigung bestanden, um einer gesetzlichen Verschlechterung der Besteuerung zuvorzukommen. Zudem erhielt Roiss ersatzweise 624.000 Euro ausbezahlt, die er an nicht konsumierten Urlaubsansprüchen stehen hatte.

Roiss' Vertrag, der 2014 ausgelaufen wäre, wurde vom OMV-Aufsichtsrat im Herbst 2013 um drei Jahre bis 2017 verlängert. Auf Betreiben von Rudolf Kemler, dem Chef der damaligen Staatsholding ÖIAG (jetzt ÖBIB, hält 31,5 Prozent an der OMV), kam es nicht dazu. Roiss räumte Ende Juni 2015 vorzeitig das Feld. Rainer Seele, ein Manager der deutschen Wintershall, folgte nach.

Verlängerung der Incentives

2015 zahlte die OMV 1,22 Mio. Euro an Abfindung für die vorzeitige Vertragsbeendigung aus. Ausständig sind noch 2,17 Millionen Euro, die Ende Juni 2016 fällig werden – als Abgeltung der Roiss zustehenden Bonuszahlungen bis März 2017.

Zusätzlich hat Roiss als einziges Vorstandsmitglied der OMV Anspruch auf eine leistungsorientierte Firmenrente aus der Pensionskasse. Das Unternehmen muss die Rente unabhängig von der Performance der Pensionskasse garantieren. So hat die OMV dem Vernehmen nach allein 2014 gut eine Million Euro für Roiss an die Pensionskasse überwiesen.

Peter Oswald, Mondi-Chef und scheidender Aufsichtsratschef der OMV, hat vorgebaut, dass eine finanzielle Belastung des Konzerns wie beim Abgang von Roiss nicht mehr vorkommen kann. Er hat eine Obergrenze einziehen lassen. Mit Ausnahme der Altverträge erhalten Vorstandsdirektoren der OMV bei vorzeitigem Abgang künftig nur noch maximal 1,5 Jahresgrundgehälter.

Diese Regelung gilt bereits für Johann Pleininger, der Anfang September 2015 Jaap Huijskes als zuständigen Vorstand für den Upstream-Bereich abgelöst hat. Das gilt auch für Reinhard Florey, der im Sommer David Davies als Finanzvorstand ablösen wird.

Das Bonusprogramm für die erste und Teile der zweiten Führungsebene wird fortgesetzt, auch wenn die Hürden für die Inanspruchnahme erhöht wurden. Laut Beschluss des Aufsichtsrats werden heuer 160.847 Stückaktien unter etwa 50 Führungskräften aufgeteilt. (stro,23.3.2016)

  • Durch Millionen versüßter Abgang: Ex-OMV-Chef Gerhard Roiss.
    foto: reuters / heinz-peter bader

    Durch Millionen versüßter Abgang: Ex-OMV-Chef Gerhard Roiss.

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