Terrorberichterstattung auf ORF und Puls 4: Bitte abrüsten!

23. März 2016, 16:20
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Wir sollten nicht selbst der Rhetorik jener verfallen, die Europa so niederträchtig herausfordern

Es gab kein Entrinnen: Wer am Dienstag nicht innerhalb weniger Minuten von den Bomben in Brüssel erfahren hat, verweigert wohl systematisch Radio, Fernsehen, Internet – und den Kontakt zu anderen Menschen.

Seit Jahren schon werden uns nicht nur Kriege, sondern auch Terroranschläge und die Jagd nach den Tätern live geliefert. Das war mit Brüssel nicht anders: Sondersendungen, Interviews mit Experten, Liveschaltungen, Interviews mit den eigenen Kollegen, runde Tische – alles wie gehabt.

Wir werden uns wohl an die Präsenz des Terrors in Europa gewöhnen müssen. Und die großen österreichischen TV-Sender meistern diese wiederkehrende Herausforderung mittlerweile mit Bravour. Innerhalb weniger Minuten gab es zuerst auf Puls 4, dann auch im ORF eine TV-Alternative zu Smartphone, Liveticker und Twitter-Gossip. Bloß: Mehr Informationen als das Publikum hatten die ins kalte News-Wasser geworfenen Reporter vorerst nicht. Wie denn auch.

Umso mehr ist zu würdigen, dass ORF und Puls 4 es schafften, strukturiert (sehr) und sachlich (weitgehend) zu agieren. Sie hielten fast durchwegs wohltuende Distanz zu jenem geifernden Sensationalismus, mit dem auf dem internationalen Parkett oft operiert wird.

Nur manchmal blitzte ein allzu aufgesetzt wirkendes Betroffenheitsg'schau auf – und ein bisschen zu oft wurden Wortbilder vom "Krieg" oder "Ausnahmezustand" gemalt. Da musste die auf Livesendung geholte Kollegenschaft vor Ort immer wieder bremsen: Die Brüsseler selbst seien ruhig, sie seien gelassen, sie verfielen nicht in Panik. Eben. Wir sollten nicht selbst der Rhetorik jener verfallen, die Europa so niederträchtig herausfordern. (Gianluca Wallisch, 24.3.2016)

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