Die Geschichte des Terrors in Westeuropa in drei Grafiken

Infografik24. März 2016, 05:53
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Eine Analyse der größten Terrorismusdatenbank zeigt, dass die Zahl der Terroropfer in Westeuropa lange rückläufig war – bis zum Vorjahr

Bei den Anschlägen in Brüssel am Dienstagmorgen sind mindestens 34 Menschen getötet worden, 230 wurden verletzt. Es ist der blutigste Anschlag in der jüngeren Geschichte des Landes. Keinem anderen Anschlag in Belgien sind seit 1970 mehr Menschen zum Opfer gefallen. Das geht aus der Global Terrorism Database hervor, die seit dem Beginn 1970 mehr als 140.000 Anschläge dokumentiert hat. Sie zeigt auch: Europa ist, wenn man nach der Zahl der Anschläge geht, heute weniger von Terror bedroht als in den vergangenen Jahrzehnten.

Die Forscher der University of Maryland in den USA zählen für Westeuropa 11.809 Terroranschläge seit 1970. Die Mehrzahl der Anschläge wurde in Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien verübt.

Separatisten und Linksextreme waren aktivste Gruppen

Die meisten Angriffe gehen auf das Konto von separatistischen, nationalistischen oder linksextremen Gruppierungen. Zu den aktivsten Terrorgruppen zählen etwa die kurdische PKK, die griechische Gruppe 17. November und die irische IRA.

Die Anzahl der Anschläge sagt aber nur bedingt etwas über die Anzahl der Todesopfer aus. So haben etwa viele Terrorgruppen Attacken vorab angekündigt, um zivile Opfer zu vermeiden. Beispielsweise hat die PKK in Westeuropa gemäß der Datenbank 153 Anschläge verübt und dabei zwei Menschen getötet.

4.823 Terrorismusopfer von 1970 bis 2014

Insgesamt war die Zahl der Opfer bei Terroranschläge bis 2014 in Westeuropa rückläufig. Seit 1970 zählen die Forscher der Global Terrorism Database 4.823 Todesopfer bei Terroranschlägen.

Die Angriffe der IS-Miliz in Westeuropa im Vorjahr gehören zu den tödlichsten, die je auf europäischem Boden stattgefunden haben und einer Terrorgruppierung eindeutig zugeordnet werden können. Allein bei den Selbstmordanschlägen in Paris im November des Vorjahres starben 130 Menschen.

Kommunistische Anschläge in Belgien in den 80er-Jahren

Für Belgien sind die Selbstmordanschläge vom Dienstagvormittag der blutigste Angriff einer Terrororganisation in der jüngeren Geschichte. Wie andere europäische Staaten auch, hat Belgien unter Terrorwellen in den 80er-Jahren gelitten.

Damals gingen die Angriffe von einer kommunistischen Terrorgruppe aus. Die "Cellules Communistes Combattantes" hat in erster Linie Anschläge auf multinationale Unternehmen in Belgien, Militärbasen und Nato-Pipelines verübt. Sie hat primär Objekte angegriffen und die Behörden vor bevorstehenden Anschlägen gewarnt, trotzdem gab es bei den insgesamt 21 Anschlägen insgesamt drei Opfer und mehr als ein Dutzend Verletzte.

Zwei von hundert Terroropfern weltweit in Westeuropa

Die meisten Opfer von Terroranschlägen zählten die Forscher der Universität von Maryland im Nahen Osten und Nordafrika.

32 von 100 Terroropfern im Zeitraum von 1970 bis 2014 sind dieser Region zuzuordnen. Zwei von hundert Toten sind in Westeuropa zu beklagen. (Gerald Gartner, 23.3.2016)

Datenhinweise

Die Datenbank der University of Maryland (USA) nimmt alle Vorfälle auf, die folgende drei Kriterien erfüllen:

  • Die Gewalt muss von einem nichtstaatlichen Akteur ausgehen.
  • Dieser wendet Gewalt vorsätzlich gegenüber Objekten oder Menschen an.
  • Der Akteur will mit seinem Handeln politische, religiöse oder soziale Ziele erreichen.

Wie werden die Daten gesammelt?

Die Forscher der GTD filtern computergestützt aus mehr als einer Million Medienberichten jene heraus, die terroristische Angriffe thematisieren. Danach bleiben etwa 400.000 Artikel pro Monat, die analysiert werden müssen. Mithilfe von Natural Language Processing und Machine Learning werden die Ergebnisse weiter verfeinert. Die verbleibenden 16.000 Artikel pro Monat werden von GTD-Forschern begutachtet und in die Datenbank eingepflegt.

Was sind die Schwächen der Datenbank?

Vor 2011 hatten die Wissenschafter kein ausgefeiltes System, um alle potenziellen Ereignisse zu sammeln. Demnach ist die Zahl der Anschläge vor diesem Zeitpunkt tendenziell höher als angegeben. Das Jahr 1993 ist nicht in der Datenbank erfasst.

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