Prozess im Askö-Skandal: Der Ex-Präsident und der Sportbauernhof

23. März 2016, 14:25
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Prozess im Askö-Skandal: Ehemalige Führungsspitze wegen Untreue angeklagt

Salzburg – Ein alter Vierkanthof im oberösterreichischen Waldzell, der zum modernen Sportbauernhof umgebaut wurde, steht im Mittelpunkt des Strafprozesses gegen die ehemalige Führungsspitze der Askö (Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich) Salzburg. Der ehemalige Askö-Präsident kaufte den Bauernhof und die Liegenschaft 2003 als Privatperson um 55.000 Euro. 2005 schloss er dann mit dem Sportverband einen Baurechtsvertrag ab. In dem räumte er der Askö ein Baurecht für 30 Jahre ein und kassierte dafür 16.848 Euro pro Jahr.

Laut Gutachten der Staatsanwaltschaft das Fünffache davon, was angemessen gewesen wäre. Die Angeklagten hätten gewusst, dass sie einen Vertrag abschließen, der für die Askö massiv nachteilig sei, sagte Staatsanwalt Robert Holzleitner. Nach vier Jahren seien die Jahresprämien bereits über dem Wert der Liegenschaft gelegen. "Das musste auffallen", sagte Holzleitner. Der Verein wurde laut Anklage über den Zeitraum von sieben Jahren um 90.000 Euro geschädigt.

Poolabdeckung, Wasseranlage und Heizung

Gleichzeitig wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten vor, dass Einbauten über die Askö verrechnet wurden, die im privaten Gebäude des damaligen Präsidenten standen. Die Kosten für eine Poolabdeckung, eine Wasseraufbereitungsanlage, eine Fußbodenheizung und einen Wintergarten bezifferte Holzleitner auf 40.000 Euro.

Dem Zweitangeklagten ehemaligen Geschäftsführer wird zusätzlich Betrug von Fördermitteln in der Höhe von 110.000 Euro vorgeworfen. Er soll Rechnungen doppelt eingereicht haben, um von Stadt und Land Salzburg Förderungen zu bekommen.

Plausible Zusammenhänge ohne Unredlichkeit

Die drei Angeklagten bestritten zwar die Sachverhalte nicht, bekannten sich am Mittwoch aber alle nicht schuldig. Es gebe für alles plausible Zusammenhänge ohne Unredlichkeit, betonte Anwalt Klaus Perner, der den Ex-Präsidenten und den Ex-Geschäftsführer verteidigt. "Daraus einen Strafprozess zu machen, ist nicht nachvollziehbar."

Der Ex-Präsident erklärte, er habe den Hof gekauft, da die Askö keinen heruntergekommen Bauernhof kaufen könne, bevor nicht die Förderungen dafür geklärt seien. "Ich habe das Risiko auf meine Kappe genommen", sagte der Ex-Präsident. Die Askö hätte dies damals auch nicht finanzieren können, weil Sportanlagen in Maxglan, Taxham und der Gnigl auf Drängen der Politik übernommen werden mussten, sagte der Angeklagte.

"Waldzell war mein Kind"

Er habe sich persönlich in die Planung und Bauaufsicht eingebracht und die Haftungen für die Baumaßnahmen übernommen. "Waldzell war mein Kind", sagte der Ex-Präsident. Dafür sei er 2003 als Beamter in den Vorruhestand gegangen. Zwischen 2003 und 2012 habe er für die Askö und den Sportbauernhof zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche gearbeitet.

Die ihm angelasteten Umbauten im privaten Gebäude seien nicht für ihn privat gewesen. Die Wasseraufbereitungsanlage etwa werde für den gesamten Komplex genutzt und das Schwimmbad sei für adipöse Kinder gedacht gewesen.

Für Mittwoch war nur die Befragung der Angeklagten geplant. Es werden noch mehrere Verhandlungstage anberaumt. (Stefanie Ruep, 23.3.2016)

  • Der ehemalige Geschäftsführer, der Ex-Präsident und der Ex-Finanzreferent der Askö Salzburg sitzen wegen Untreue auf der Anklagebank. Sie sollen den Verein mit dem Sportbauernhof Waldzell geschädigt haben.
    foto: apa/barbara gindl

    Der ehemalige Geschäftsführer, der Ex-Präsident und der Ex-Finanzreferent der Askö Salzburg sitzen wegen Untreue auf der Anklagebank. Sie sollen den Verein mit dem Sportbauernhof Waldzell geschädigt haben.

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