Unsere galaktische Nachbarin Wolf-Lundmark-Melotte

28. März 2016, 18:18
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WLM ist ein abgelegenes Mitglied der Zwergenschar, die den Großteil der Lokalen Gruppe von Galaxien ausmacht

Heidelberg – Lerne deine Nachbarschaft kennen: Nach der irregulären Zwerggalaxie IC 1613 weist das Max-Planck-Institut für Astronomie nun auf ein weiteres kaum bekanntes Mitglied der Lokalen Gruppe von Galaxien hin: Wolf-Lundmark-Melotte oder kurz WLM.

Die fünf bis acht Millionen Lichtjahre durchmessende Lokale Gruppe ist eine Ballung, die fünfzig bis sechzig Galaxien umfasst – allerdings entsprechen nur die drei größeren Spiralgalaxien Milchstraße, Andromeda und Dreiecksnebel dem, was sich die meisten Menschen unter einer Galaxie vorstellen. Der Rest sind Zwerge.

Abgelegene Einzelgängerin

Bei WLM handelt es sich ebenfalls um eine irreguläre Zwerggalaxie. Entsprechend einer Messung, die auch einen Halo aus extrem alten Sternen beinhaltet, der 1996 entdeckt wurde, erstreckt sie sich maximal über etwa 8.000 Lichtjahre. Entdeckt wurde die lichtschwache kleine Nachbargalaxie, die sich am Rand der Lokalen Gruppe befindet und etwa drei Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist, 1909 vom deutschen Astronomen Max Wolf. Erst später wurde sie von den Astronomen Knut Lundmark und Philibert Jacques Melotte als Galaxie identifiziert.

Astronomen vermuten, dass solche Zwerggalaxien urzeitliche Gebilde sind und in vielen Fällen miteinander verschmolzen, woraus größere Mischgalaxien entstanden. Über Milliarden von Jahren hinweg sind durch solche Verschmelzungsprozess die großen Spiral- und elliptischen Galaxien entstanden.

WLM allerdings hat da nicht mitgemacht und sich alleine entwickelt, weit entfernt vom Einfluss anderer Galaxien und deren stellaren Populationen. Demzufolge stellt WLM einen relativ ungestörten "Naturzustand" dar. Das Institut vergleicht sie mit einem unberührten Volksstamm tief im Regenwald des Amazonas oder auf einer Insel in Ozeanien. WLM biete deshalb einen seltenen Einblick in die Natur von Ur-Galaxien.

WLM im Bild

Die aktuelle Aufnahme stammt von der OmegaCAM am VLT Survey Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile, einem 2,6-Meter-Teleskop, das ausschließlich dazu konzipiert wurde, den Nachthimmel im sichtbaren Licht zu durchmustern.

Die im Sternbild Walfisch zu findende Zwerggalaxie weist einen ausgedehnten Halo aus sehr dunklen roten Sternen auf. Dieser rötliche Farbton ist ein Hinweis auf das fortgeschrittene Alter der Sterne. Es ist wahrscheinlich, dass der Halo aus der Zeit stammt, in der die Galaxie selbst entstanden ist, und damit Hinweise auf die Mechanismen bietet, die die ersten Galaxien hervorgebracht haben.

Die Sterne im Zentrum von WLM erscheinen mittlerweile jünger und farblich blauer. Auf dem Bild heben die rosafarbenen Wolken Bereiche hervor, in denen das intensive Licht junger Sterne umgebendes Wasserstoffgas ionisiert hat und es dadurch in einem charakteristischen roten Farbton zum Leuchten anregt. (red, 26. 3. 2016)


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ESO

  • Am Rand der Lokalen Gruppe gelegen und ziemlich klein: Wolf-Lundmark-Melotte.
    foto: eso

    Am Rand der Lokalen Gruppe gelegen und ziemlich klein: Wolf-Lundmark-Melotte.

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