Weizenunverträglichkeit trifft bis zu fünf Prozent der Bevölkerung

23. März 2016, 13:56
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Die "Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität" aktiviert entzündliche Reaktionen im Körper. Es kann zu Schmerzen, Müdigkeit und Depressionen kommen

Von Durchfall bis zur Depression: Bis zu fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer Unverträglichkeit von Weizen, die körperliche und psychische Krankheiten verursachen kann. Als ein möglicher Auslöser gelten bestimmte Proteine im Weizen. Mediziner, Analytiker und Agrarwissenschaftler der Universitäten Mainz und Hohenheim haben sich zusammengetan, um das Phänomen zu erforschen. Sie wollen Erkenntnisse gewinnen, die dazu beitragen könnten, neue Weizensorten zu züchten.

Es ist eine geheimnisvolle Krankheit, die die Wissenschaft lange vor ein Rätsel stellte. Die genaue Bezeichnung lautet "Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität" (NCWS) und sie beschreibt eine bislang kaum bekannte Weizenunverträglichkeit. Ursache ist eine angeborene Immunabwehr, die durch Weizenproteine ausgelöst wird. "Die NCWS ist nicht zu verwechseln mit einer Zöliakie – einer Glutenunverträglichkeit – oder einer Weizenallergie", erklärt Projektkoordinator Detlef Schuppan, Gastroenterologe, Biochemiker und Leiter des Instituts für Translationale Immunologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

"Das Problem der NCWS war lange, dass man nicht wusste durch was sie ausgelöst wird, bis wir in meinem Labor an der Harvard Medical School spezielle Inhibitoren (ATIs) als Aktivatoren der angeborenen Immunität im Darm identifiziert haben", so der Experte. "Seit Kurzem steht damit diese Familie von Proteinen unter Verdacht, diese Art der Unverträglichkeit auszulösen", bestätigt Friedrich Longin, der wissenschaftliche Leiter des Arbeitsgebietes Weizen an der Universität Hohenheim.

Proteine als Übeltäter

Die ATIs sind natürliche Proteine, die im Weizen vorkommen. Wie viele Proteine genau zu dieser Familie gehören, und wie sehr der Gehalt und die Zusammensetzung von der Sorte und den Umweltbedingungen im Anbau abhängt, ist aber noch unzureichend bekannt und nach bisherigen Erkenntnissen unter anderem von der jeweiligen Sorte abhängig.

"Bei einer Gruppe von Menschen scheinen die ATIs aus glutenhaltigen Getreiden wie Weizen ab einer bestimmten Menge entzündliche Reaktionen im Körper zu aktivieren bzw. zu verstärken. Das kann bei den Betroffenen Bauchschmerzen, insbesondere aber auch Benommenheit, Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Hautveränderungen, depressive Stimmung und insgesamt eine Verschlechterung einer chronischen Erkrankung verursachen", sagt Schuppan.

In hoher Menge aufgenommen aktivieren die Weizen-ATIs den Teil des Immunsystems, der sonst für das Erkennen von Krankheitserregern verantwortlich ist. Dieser setzt daraufhin unter anderem entzündliche Proteine frei und verursacht die Beschwerden der Betroffenen. Die Bestimmung des ATI-Gehalts in den Weizensorten sei daher von besonderer Bedeutung, so Longin. "Während gerade einmal jeweils ein Prozent der deutschen Bevölkerung an der Zöliakie oder einer Weizenallergie leiden, sind wahrscheinlich mindestens fünf Prozent von der NCWS betroffen."

Neue Weizensorten

In einem Kooperationsprojekt der Universitäten Hohenheim und Mainz werden nun 160 Weizen- und Dinkelsorten analysiert. Mittelfristig sollen die Erkenntnisse helfen neue Weizensorten zu züchten, die auch für empfindliche Bevölkerungsgruppen gut verträglich sind. "Dabei muss uns der Spagat gelingen, Weizensorten zu züchten, die einen geringen ATI-Gehalt und trotzdem gute Backfähigkeit besitzen", sagt Longin. (idw, 23.3.2016)

  • Proteine im Weizen aktivieren bei einer Weizenunverträglichkeit – nicht zu verwechseln mit einer Glutenunverträglichkeit – den Teil des Immunsystems, der sonst für das Erkennen von Krankheitserregern verantwortlich ist.
    foto: dpa/patrick seeger

    Proteine im Weizen aktivieren bei einer Weizenunverträglichkeit – nicht zu verwechseln mit einer Glutenunverträglichkeit – den Teil des Immunsystems, der sonst für das Erkennen von Krankheitserregern verantwortlich ist.

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