App-Hit aus Wien: Franz vereint Messaging-Dienste

Interview10. April 2016, 17:43
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Entwickler Stefan Malzner im Interview über den überraschenden Erfolg und weitere Pläne

Täglich 35.000 aktive Nutzer: der Ende Februar veröffentlichte Multimessenger Franz hat einen steilen Start hingelegt. Die Software vereint verschiedene Messaging-Dienste. Der WebStandard hat mit Entwickler Stefan Malzner gesprochen.

STANDARD: Was war der ausschlagende Grund, dass Sie Franz entwickelt haben?

Malzner: Ich verwende jeden Tag privat und beruflich Facebook Messenger, WhatsApp, Skype, Telegram, Grape und ein paar Slack-Teams. Es hat mich einfach immer schon genervt von so vielen Messenger Plattformen abhängig zu sein. Vor allem wenn man verschiedene Personen erreichen muss, war es immer notwendig zwischen diversen Apps, Browser-Tabs und dem Smartphone hin und herzuwechseln. Irgendwann hat es mir dann einfach gereicht und ich habe versucht eine Lösung dafür zu finden, den ganzen Messaging Saustall aufzuräumen.

STANDARD: Ihre Software hatte in kürzester Zeit viele Downloads und großes Medienecho – wie haben Sie das geschafft?

Malzner: Es war eine Mischung aus guter Vorbereitung, dem richtigen Timing ein bisschen Glück – aber vor allem weil Franz ein echtes Problem löst. Mit einem derartigen Ansturm habe ich jedoch nicht gerechnet.

Ich habe Thomas Schranz von Blossom.io gebeten Franz auf ProductHunt.com, einer Plattform für Produktvorstellungen, zu posten um Feedback von Product- und UX-Designern zu erhalten und um zu testen, ob ein wirklicher Bedarf an einer Lösung wie Franz besteht. Von Anfang an war Franz das Produkt mit den meisten Upvotes und erreichte innerhalb von wenigen Stunden sogar über 1.000 Votes. Das wurde dann auch relativ schnell von "Trending Topics", "t3n", "The Next Web", der "Süddeutschen Zeitung" und unzähligen Medien weltweit aufgegriffen. Von da an verbreitete Franz sich quasi viral. So konnte Franz innerhalb der ersten 24 Stunden bereits über 7.000 Installationen verzeichnen.

STANDARD: Wie lange haben Sie für die Entwicklung von Idee bis zur ersten Version benötigt?

Malzner: Von der Idee zum erste Prototyp dauerte es ca. ein Wochenende. Über die nächsten zwei Wochen habe ich Franz dann um die nötigsten Features erweitert, damit man ihn in einer echten Umgebung verwenden konnte.

STANDARD: Wieso haben Sie zuerst die Mac-Version entwickelt – ist Windows zumindest am Desktop nicht eine interessantere, weil größere Plattform?

Malzner: Ich arbeite seit Jahren exklusiv auf Mac und habe seit Windows XP kaum mehr Erfahrungen mit anderen Systemen gemacht. Vor allem aber auch zum schnellen austesten der Idee sind andere Plattformen eine ziemlich große Ablenkung die auch einiges an Zeit beanspruchen. Durch das enorme Medienecho und den Zuspruch von tausenden – zukünftigen – Usern war aber klar, dass Franz für Windows und Linux relativ schnell verfügbar sein sollte.

STANDARD: Wird es auch eine mobile Version geben?

Malzner: Wir arbeiten an ersten Konzepten. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen.

STANDARD: Franz unterstützt Slack, HipChat, Facebook Messenger, Telegram, WhatsApp, Google Hangouts, Skype und Grape – planen Sie Support für weitere Messenger?

Malzner: Mit dem letzten Update wurde Franz um WeChat und GroupMe erweitert. Franz ist derzeit sehr auf den westlichen Markt ausgelegt. Wir arbeiten aber ständig daran bestehende Services zu verbessern und neue Dienste zu integrieren.

STANDARD: Wie sieht es mit Datenschutz aus? Welche Daten liest und speichert Franz?

Malzner: Franz speichert nicht mehr Daten als ein herkömmlicher Webbrowser um den Dienst zu ermöglichen. Zugangsdaten, Nachrichten, Kontakte usw. werden keine gespeichert oder verarbeitet, da die Web-Interfaces der einzelnen Dienste direkt verwendet werden.

STANDARD: Haben Sie auch ein Geschäftsmodell im Sinn, sprich wird Franz irgendwann kostenpflichtig oder werbefinanziert?

Malzner: Es werden gerade verschiedene Modelle evaluiert, genaueres kann ich im Moment aber noch nicht sagen.

STANDARD: Welche weiteren Pläne haben Sie mit der App? Ein Multimessenger ist zum Beispiel auch für Unternehmen interessant.

Malzner: Im Moment geht es darum Franz grundsätzlich zu verbessern und zu erweitern um in den nächsten Monaten die Version 1.0 zur Verfügung stellen zu können. Zusätzlich planen wir derzeit einige spannende Kooperationen mit Service Providern. Ohne zu viel zu verraten kann ich aber versichern, dass es eine sehr spannende Zeit wird.

Klar ist Franz auch für Unternehmen interessant. Durch das Feedback der User wissen wir auch, dass Franz bereits in vielen Start-ups sowie großen namhaften Unternehmen verwendet wird.

STANDARD: An welchen anderen Projekten arbeiten Sie noch?

Malzner: Ich habe in den letzten Jahren durch Horst, Grete und Shooting Stars viel experimentiert und mir in diversen Bereichen einiges an Expertise aufbauen können. Meine erste App war Horst, eine kollaborative Einkaufsliste, die ganz ähnlich wie Wunderlist funktioniert. Ich wollte damals lernen wie man Apps entwickelt und so habe ich dann einfach angefangen die App umzusetzen.

Durch das Weiterdenken von Horst ist dann Grete entstanden – eine Rezepte-App, die dich dabei unterstützt Rezeptwochenpläne und Einkaufslisten zu erstellen. Leider war ich bei Grete viel zu sehr vom Perfektionismus getrieben, wodurch ich mich schlussendlich im Produzieren von den Rezepten und Rezeptfotos verlaufen habe.

Kurz darauf hat mich dann Michael Hartinger als Co-Founder für das Spielestudio Bloodirony Games an Bord geholt wo wir letztes Jahr mit Shooting Stars das wohl verrückteste mobile – und mittlerweile auch für Steam erhältliche – Game aller Zeiten entwickelt haben. (Birgit Riegler, 10.4.2016)

  • Franz vereint mehrere Messaging-Dienste in einer App.
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    Franz vereint mehrere Messaging-Dienste in einer App.

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