Am Freitag früher das Büro verlassen

24. März 2016, 15:00
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Kostbare Wochenendminuten oder verdichteter Trödelmodus

foto: reuters / kim kyung-hoon

Pro
von Michael Simoner

Der Freitag, der kann schon was. Er kommt immer rechtzeitig. Nicht wie der Sonntag, der regelmäßig viel zu spät dran ist, oder der Donnerstag, der eigentlich nie richtig in die Gänge kommt. Deshalb haben The Cure dem Freitag ja auch eine Hymne geschrieben.

Früher gehen ist eigentlich das Mindeste, was wir dem Freitag schulden. Der Name des fünften oder sechsten Tages der Woche, je nachdem, welche Religionsarithmetik zur Anwendung kommt, stammt ja auch von freier Tag. Okay, das war jetzt gelogen.

Den Freitag dürften die Germanen nach ihrer Göttin Frija benannt haben, das römische Original war der Tag der Venus. Zumindest steht es so geschrieben in der allwissenden Wikipedia.

Egal. Jede Minute des Freitags, die ins Wochenende eingemeindet werden kann, ist jedenfalls kostbar. Sei es, um der Rushhour zuvorzukommen, um mit den Kindern eine Sandburg mehr zu bauen oder beim Wirt den Grundstein fürs Ausrasten zu legen. Besser, als am Freitag früher zu gehen, ist nur eines: gleich ganz freinehmen.

Kontra
von Doris Priesching

Es gibt ein paar Regeln, mit denen sich das Leben definitiv leichter lebt: Gehe niemals an Samstagvormittagen in den Supermarkt. Verzichte tunlichst auf den Badeurlaub an der Riviera in den Monaten Juli und August. Meide Skipisten während der Weihnachtsferien. Willst du störungsfrei in warmem Thermenwasser plantschen, versuche dies nicht an Feiertagen. Kurzum: Mit der Masse zu gehen hat noch nie viel gebracht.

Daraus folgt: Wer sich Freitagmittag in den Trubel der Wochenendgierigen stürzen mag, liegt doppelt falsch. Die Erfahrung lehrt, dass mehr Freizeit gleichzeitig mehr Stress hervorbringt. Allzu viele Aktivitäten müssen unter einen Hut gebracht, der Partner, die Partnerin wollen beachtet, soziale Kontakte gepflegt werden.

Nachweislich ist diese Klientel an Montagmorgen erschöpfter als jene, deren Wochenende Freitagabend beginnt und die den Samstag erst einmal guten Gewissens verschläft. Warum? Die Erwartungen sind niederschwellig und deshalb leicht zu erfüllen. Ein Hoch dem verdichteten Trödelmodus. (RONDO, 25.3.2016)

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