"Jetzt picken wir selbst drin"

22. März 2016, 18:25
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Im beschaulichen Stegersbach bereitet sich das österreichische Nationalteam auf die Partien gegen Albanien und die Türkei vor. Die EM-Euphorie ist spürbar, vor allem dann, wenn Marcel Koller, Marc Janko und David Alaba danach gefragt werden

Stegersbach – Marc Janko wiederholt sich gerne. Er spricht von einem Pflänzchen, das mittlerweile ein dicker Baum geworden ist. Und meint selbstverständlich die österreichische Fußballnationalmannschaft. Das Wiedersehen nach vier Monaten sei höchst erfreulich gewesen, beste Stimmung, man kennt einander, "alles tipptopp". Die Europameisterschaft rückt nah und noch näher (Anpfiff 10. Juni), wobei Janko immer nur dann an Frankreich denkt, "wenn ich danach gefragt werde". Fußballer müssten sich auf die Gegenwart konzentrieren. "Die Ziele sind kurzfristig."

Marcel Koller hat das Team im burgenländischen Stegersbach versammelt, es sind die Bewährten, die Erfolgreichen, die Zehnten der Weltrangliste. Guido Burgstaller ersetzt den von Zahnschmerzen geplagten Marcel Sabitzer, Koller kennt den Nürnberger aus früheren Einberufungen. "Er hat auf sich aufmerksam gemacht, also wurden wir auf ihn wieder aufmerksam."

Supertests

Janko befasste sich kurz mit der Rangliste, das ist für ihn eine liebgewordene Tradition. "Ich durchblicke sie immer noch nicht. Spielst du nicht, verbesserst du dich manchmal." Es sei nur eine schnöde Tabelle, über deren Richtigkeit sollten andere philosophieren. "Wir haben jedenfalls Luft nach oben." Der Beweis kann zweimal im Happel-Stadion, am Karsamstag gegen Albanien und am darauffolgenden Dienstag gegen die Türkei, angetreten werden. David Alaba sagt: "Zwei Supertests." Noch geht es um notwenige Belanglosigkeiten, am Dienstagvormittag wurden in Oberwart die offiziellen Fotos gemacht, Sponsoring ist keine Einbahnstraße. Am frühen Nachmittag schauten die Dopingkontrolleure vorbei, zehn Kicker mussten Harn lassen.

Das offizielle EM-Buch wurde präsentiert, es wurde von Toni Huemer und Markus Geisler verfasst, ist im Pichler-Verlag erschienen, kostet 25 Euro. Der Inhalt ist origineller als der Titel, Frankreich, wir kommen! muss einem erst einmal einfallen. Das Panini-Album ist erschienen, Janko und Alaba waren als Buben fleißige Sammler. "Und jetzt picken wir selber drin."

Die Prämienverhandlungen stehen an, man wird sich einigen und schweigen. Janko: "Es geht in erster Linie um Ehre, Freude, Stolz. Und auch ums Geld."

Erstaunliche Euphorie

Das erste Training brachte Koller zum Staunen, 1.500 Fans hatten sich im Stadion, das ein Sportplatz ist, versammelt. "Fantastisch, diese Euphorie", sagte der Schweizer. Der 32-jährige Janko übte sich in Demut. "Schön, so etwas war noch nicht da. Zumindest nicht zu meinen Lebzeiten." Alaba ließ Selfies zu, lächelte sich das Gesicht wund. "Das gehört dazu."

Heute stehen zwei Einheiten auf dem Programm, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die harte Arbeit beginnt. Es gilt Automatismen zu festigen. Am Stil wird sich nichts ändern, das wäre aberwitzig fahrlässig. Janko und Alaba begrüßten Kollers Vertragsverlängerung, nun herrsche Ruhe, der Weg könne fortgesetzt werden. Koller wiederum hofft, dass alle Spieler ihre Zukunft vor der EM geregelt haben.

Mit der Auswahl der Testgegner ist Koller zufrieden, Ende Mai, Anfang Juni wird noch gegen Malta und die Niederlande geprobt. Österreich mag zwar in der Tabelle zu den Großen gehören, in der Realität schaut es ein bisserl anders aus. "Wir sind nicht jene, die es sich aussuchen können."

Die Terroranschläge von Brüssel wurden in Stegersbach natürlich thematisiert. Die EM wird ein Spektakel unter größten Sicherheitsvorkehrungen. "Wir leben in schrecklichen Zeiten, sind bestürzt", sagte Janko. "Wir müssen versuchen, es auszublenden. Wir fühlen uns sicher." Koller hält die Lage für "nicht kontrollierbar. Sie wollen, dass wir ängstlich sind, das wird ihnen nicht gelingen." (Christian Hackl, 22.3.2016)

  • Marc Janko geht es bei der EM in Frankreich in "erster Linie um Ehre, Freude und Stolz. Und auch ums Geld." Weshalb das Trainingslager in Stegersbach auch dazu genützt wird, um mit dem österreichischen Fußballbund über Prämien zu verhandeln.
    foto: apa/jäger

    Marc Janko geht es bei der EM in Frankreich in "erster Linie um Ehre, Freude und Stolz. Und auch ums Geld." Weshalb das Trainingslager in Stegersbach auch dazu genützt wird, um mit dem österreichischen Fußballbund über Prämien zu verhandeln.

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