Zwischen Hendlfabrik und Eierbörse

23. März 2016, 05:30
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Warum Österreichs Nudelhersteller nichts gegen verpflichtende Eierkennzeichnung haben

Wien – Eier aus dem Ausland tragen selten ein Mascherl. Schon gar nicht, wenn sie flüssig in großen Tanks, gefroren zu langen Stangen oder schlicht als Pulver die Grenze nach Österreich passieren. Gut 327 Millionen stammen aus illegaler Käfighaltung. Hühnerfabriken der Ukraine betreiben damit über internationale Eierbörsen ebenso regen Handel wie Indien, China und Argentinien. Abnehmer sind vor allem Lebensmittelindustrielle und Systemgastronomen.

Martin Terzer empfindet es als Beleidigung, wird seine Teigware in einen Topf mit günstigen Käfigeiern geworfen. Die jüngste scharfe Kritik der Landwirtschaftskammer an seiner Branche war "Unsinn und ein Schuss ins Blaue", sagt der Chef von Recheis.

Der Tiroler Familienbetrieb ist Österreichs größter Nudelhersteller. In Hall wird in fünfter Generation gefertigt, fast 16.000 Tonnen verlassen jährlich das Werk.

Rundum wird nun der Ruf nach der Kennzeichnungspflicht auch für verarbeitete Eier laut. Eben erst hat Wolfgang Pirklhuber von den Grünen den entsprechenden Entschließungsantrag gestellt.

Terzer hat damit kein Problem. "Soll es nur kommen, wir sind darauf vorbereitet." Recheis weise die Haltungsform der Hühner auf der Verpackung ja ohnehin schon aus – wie viele andere österreichische Nudelproduzenten auch.

Eigene Hühnerställe

Vor zwei Jahren habe Recheis vier Millionen Euro in einen eigenen Hühnerhof mit Bodenhaltung investiert, erzählt Terzer, "es rentiert sich". Zugekauft werde dennoch, für die eigene Marke jedoch ausschließlich in Österreich.

100 Mitarbeiter sorgen bei Recheis für 32 Millionen Euro Umsatz, fast ein Drittel des Marktes ist in ihrer Hand. Die Italiener decken mit Barilla ein Fünftel ab. Drittgrößter der Zunft ist die Wolf Nudeln GmbH. 30 bis 40 Tonnen erzeugt seine Produktion in Güssing täglich, rechnet Eigentümer Joachim Wolf vor. 100.000 Eier benötige er dafür jeden Tag. Für gut die Hälfte davon sorgten eigene Hühner in Bodenhaltung. Die Stallungen werden gerade ausgebaut.

Auch Wolf hat nichts gegen eine Pflicht zur Eier-Deklaration. Denn die Herkunft seiner Rohstoffe sei bereits jetzt klar nachvollziehbar. Kaufe er im Ausland zu, dann in Italien, Deutschland und Polen – aufgeschlagen würden die Eier an Ort und Stelle im Burgenland.

Was Recheis und Wolf vereint: In Nudeln der eigenen Marke stecken nach eigenen Angaben ausschließlich Eier und Hartweizengrieß aus Österreich. In Ware, die unter Handelsmarken läuft, kommen auch importierte Rohstoffe.

Hans Peter Aigner arbeitet generell nur mit Eiern und Hartweizen aus Österreich. Was auch ihn der etwaigen Kennzeichnungspflicht gelassen entgegen sehen lässt.

Seine Familie ist mit ihren Innviertler Teigwaren seit vier Generationen im Geschäft. Seit 35 Jahren wird biologisch produziert, nur 300 Tonnen Nudeln der jährlich 1200 sind konventionell.

130 Jahre Tradition

Von einem einzigen Bauern bezieht Katharina Gregori-Salbrechter die Eier für ihre Nudeln. 130 Jahre hat die Nudelfertigung in ihrer Familie schon Tradition. Und auf Masse hat die Finkensteiner Nudelfabrik noch nie gesetzt.

Der Markt für Teigwaren ist gesättigt. Als Grundnahrungsmittel halten sie im Handel immer wieder als günstige Lockartikel her. Volatile Rohstoffpreise sorgen zusätzlich für Spannung. Das Sagen haben in Europa in der Branche aber nicht nur die Italiener: Die Türkei etwa stampfte riesige Nudelfabriken aus dem Boden, mit der zwanzigfachen Kapazität des österreichischen Marktführers.

"Da können wir nicht mithalten", sagt Terzer. Dass Recheis in Österreich dennoch weiter wachse, liege an neuen Produkten, Nudeln aus Dinkel und Vollkorn etwa. "Sie schmecken nicht mehr so pelzig wie vor zehn Jahren, und ihre dunklere Farbe schlägt sich auch nicht mehr mit dem Sugo." Zehn Prozent werden exportiert, zu den Kunden im Ausland zählen Nestlé und Unilever.

Leicht sei es nicht, international zu reüssieren, seufzt Wolf, der in Österreich bis auf Hofer und Lidl quer durch den Handel vertreten ist. In Ungarn sei sein Betrieb auf die Nase gefallen, in Italien öffne sich keine Tür, in Deutschland sei es beim Anklopfen geblieben.

Nudeln für Babys

Aigner hingegen ist europaweit vertreten. Mit seinen Innviertler Bio-Nudeln hat er sich auf sensible Babykost spezialisiert. Gefertigt wird chargenbezogen, das Sortiment umfasst bis zu 400 Produkte. Künftig steigt die Kapazität um das Sechsfache. Geschaukelt wird der gesamte Betrieb allerdings lediglich zu dritt. Wie das gelingt? Aigner: "Dank voller Automatisierung und viel Arbeit."

Gregori-Salbrechter mag es lieber regional. Verkauft wird über Kärntner Supermärkte, österreichische Feinkostläden und einen Onlineshop. Mit neun Mitarbeitern richtet sie sich nach individuellen Wünschen der Kunden. Und in ihren Nudeln findet sich Schokolade ebenso wie Zitrone und Bärlauch. "Wir sind ständig am Tüfteln, Ausprobieren und Nachdenken." (Verena Kainrath, 23.3.2016)

  • Der Markt für Teigwaren ist gesättigt. Länder wie die Türkei stampften riesige Fabriken aus dem Boden. Kleine Hersteller und Manufakturen suchen ihr Glück  in der Nische und Vielfalt.
    foto: dpa

    Der Markt für Teigwaren ist gesättigt. Länder wie die Türkei stampften riesige Fabriken aus dem Boden. Kleine Hersteller und Manufakturen suchen ihr Glück in der Nische und Vielfalt.

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