Erinnerungssalon der Innovation

22. März 2016, 17:21
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Das Klangforum Wien und seine "Festlichen Tage Alter Musik" im Konzerthaus

Wien – "Festliche Tage alter Musik" – das klingt ein bisschen, als hätte das Festival Resonanzen im Wiener Konzerthaus Nachwuchs bekommen. Das klingt, als gelte es, die beliebte Konzertreihe mit der historisch informierten Spielkultur auszuweiten; es klingt also, als wären Barock und noch ältere Stilarten gemeint. Das Klangforum Wien, dessen Konzerte hinter der Formulierung stecken, hat sich allerdings hier nur so schlau wie absichtsvoll des Begriffes "alte Musik" bemächtigt -, um selbigen umzudeuten.

Es wird die Spezialisten für die klassische Moderne und für Zeitgenossen womöglich gewurmt haben, dass etwa die Zweite Wiener Schule – und um diese zwölftönige Erneuerung herum stattgefundene Ereignisse – immer noch als schwer verdauliche Modernität gilt und nicht als historisches Phänomen und selbstverständlicher Teil von Programmen. Jedenfalls: Mit den "Festlichen Tagen Alter Musik" geht es nun um Bekanntes und entschieden weniger Bekanntes (aus der Zeit zwischen 1900 und 1950), dem ein echtes Ringen um Musikkonzepte jeglicher Art – zwischen Konservativismus und Innovation – nicht abgesprochen werden soll.

Romantische Suite

Die ehemalige Avantgarde war zu Beginn im Mozartsaal mit Alban Berg vertreten: Dessen Vier Stücke für Klarinette und Klavier op.5 lebten vom flexiblen, da angriffigen, dort wiederum sanft sich ausbreitenden Klarinettenton von Bernhard Zachhuber. Max Regers 2. Satz aus der Romantischen Suite op.125 (Bearbeitung Schönberg/Kolisch) wurde wiederum vom Klangforum-Kollektiv ganz aufregend als eine Art ausgelassene, aber teils gebrochene "Salonmusik" mit modernistischen Tendenzen interpretiert. Ein sehr interessantes, lebendiges Stück. Es wirkte etwas markanter, wenngleich im Ausdruck nicht so aufgeladen, als Alexander Zemlinskys Sinfonietta op. 23 (Bearbeitung: Roland Freisitzer).

Endete dies Stück recht aufgeregt, so wird Bergs Kammerkonzert für Klavier und Geige mit 13 Bläsern schließlich zum Beleg, wie asketisch und zugleich doch effektvoll – nach langer Reise durchs abstrakte harmonische Dickicht – zu verstummen ist. Mit einer zarten Geigengeste à la Pizzicato (Sophie Schafleitner). Ein subtiler, dynamischer Einstand der Festtage – auch dank Dirigent Stefan Asbury. (Ljubiša Tošic, 22.32016)

1. und 3. April, "Festliche Tage Alter Musik" mit Werken von Janáček, Bax, Hauer, Karel, Ohana, Villa-Lobos, Koechlin, Gerhard, Busoni, Béla Bartók, Lord Berners, Ives, Revueltas, Casella und Stefan Wolpe.

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Konzerthaus

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