Hertha mag nicht mehr in Hitlers Stadion kicken

22. März 2016, 17:04
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Berliner Erstligafußballer sehnen sich nach einer neuen, kleineren Arena mit mehr Stimmung

Der Berliner meckert gern. Über das Wetter, die vielen Baustellen und über Fußball sowieso. Aber im Moment hört man, was den Hauptstadtklub Hertha BSC anbelangt, beinahe nur ein fast erstauntes: "Kannste ja derzeit jar nüscht meckern." Hertha, die "Alte Dame", die 1892 gegründet wurde, steht nämlich gut da.

Nach Jahren der Drittklassigkeit, nach Auf- und Abstiegen in der ersten und zweiten Bundesliga, liegt Hertha aktuell hinter Bayern München und Borussia Dortmund auf Platz drei der Tabelle, die Champions League ist in Reichweite. Am Samstag endete das Heimspiel gegen Ingolstadt mit einem 2:1-Sieg.

Aber es gab wieder einmal einen Wermutstropfen: Nur 40.385 Zuschauer kamen. Doch das Berliner Olympiastadion, das von Hitler für die Spiele 1936 etwas größer dimensioniert wurde, könnte eigentlich 75.000 Zuschauer fassen. So viele finden sich aber bloß ein, wenn ein Spiel gegen Bayern ansteht.

Und jetzt, da die Herthaner gute Leistungen liefern, haben sie eine Idee, wie man aus dem halb leeren Stadion ein volles machen könnte, damit die Stimmung bei den Spielen endlich mal besser wird und man noch schöner kickt. Die Lösung, für die Manager Michael Preetz plädiert, hat etwas vom Ansatz, "wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann muss eben der Berg zum Propheten kommen". Denn Preetz will nicht mehr Zuseher ins Olympiastadion schaffen, sondern den wenigen Zusehern eine kleinere und ganz neue Arena bauen.

Arena für 55.000

"Das Olympiastadion ist eine wunderschöne Arena, aber man stelle sich mal vor, wie die Stimmung unserer großartigen Ostkurve erst in einer reinen Fußballarena wäre", sagt er. So ein 50.000 Personen fassendes Stadion wäre nach dem Geschmack der Berliner – zumal sie sich, was den Spielort betrifft, ohnehin als benachteiligt sehen. Hertha ist der einzige Erstligaklub, der kein reines Fußballstadion als Spielort hat. Rund um den Rasen sind noch die Laufbahnen, was die Entfernung zwischen Fans und Spieler vergrößert. Außerdem ist Hertha im Olympiastadion nur zur Miete.

200 Millionen Euro würde ein kleineres, aber neues Stadion kosten. Frank Henkel (CDU), Senator für Inneres und Sport, winkt da gleich mal ab und erklärt: "Hertha steht mit dem Olympiastadion eine qualitativ hochwertige Spielstätte zur Verfügung." Er sagt auch: "Die Zusammenarbeit hat sich auch in schwierigen Zeiten bewährt. Das weiß auch der Verein." Dies darf durchaus als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden werden, man möge jetzt bitte nicht größenwahnsinnig werden. In schlechten Zeiten hat der Senat nämlich Hertha die Miete für das Olympiastadion gestundet.

Doch der Verein will nicht so schnell aufgeben und nun nach Investoren suchen. Dass man gerade hoch im Kurs steht, zeigte sich am Wochenende. Hertha wollte per Crowdlending von privaten Kapitalgebern eine Million Euro einsammeln, um die Digitalisierung des Vereins voranzutreiben und gab sich dafür 60 Tage Zeit. Allerdings war die gesamte Summe dann bereits nach nur neun Minuten beisammen. (Birgit Baumann, 22.3.2016)


  • Groß und bei Hertha-Spielen fast immer nur halbvoll: Das Olympiastadion wurde für die Spiele 1936 gebaut und von 2000 bis 2004 für 240 Millionen Euro saniert. Spieler und Trainer klagen über fehlende Stimmung.
    foto: apa/balk

    Groß und bei Hertha-Spielen fast immer nur halbvoll: Das Olympiastadion wurde für die Spiele 1936 gebaut und von 2000 bis 2004 für 240 Millionen Euro saniert. Spieler und Trainer klagen über fehlende Stimmung.

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